Das Beusch – Teil 1

Inhaltsverzeichnis (dies hier ist der alte Anfang, den neuen, besseren findet man hier)

Wie jeden Abend stellt die kleine Lara-Sophie auch diesmal wieder Kekse auf das kleinen Tischchen unten im Flur. Sie gibt sich ganz besonders viel Mühe, alles schön herzurichten. Die Kekse liegen in einem perfekten Kreis angeordnet auf dem schönsten Teller, den sie finden konnte. Er ist aus feinem Porzellan und über und über mit kleinen Blüten in ganz zarten Pastellfarben bedacht. Diesen stellt sie mittig auf ein ebenso zart  geblümtes, mit feinen Spitzen besetztes Deckchen, das schon auf der kleinen Kommode im Flur wartet. Sie rückt noch einmal die kleinen Blümchen zurecht, die sie um das Deckchen gelegt hat und steckt die Lichterkette an, die das ganze umrahmen soll. Eigentlich wollte sie ja Kerzen aufstellen, doch ihre Mama meinte, es wäre zu gefährlich, die Kerzen alleine im Flur brennen zu lassen, während alle schlafen. Also wurde es die Lichterkette. Aber die scheint auch in einem sehr warmen, wohligen Licht.

Seit Lara-Sophie jeden Abend die Kekse runter stellt, ist sie auch ganz brav und aufmerksam geworden. Sie war schon immer eine Liebe, doch die letzten Tage umso mehr. Ihre Eltern haben sie schon mehr als ein Mal gefragt, wieso sie sich das so angefangen hat. Nicht, dass es sie stören würde, im Gegenteil, jedoch wollten sie schon gerne wissen, was dahinter steckt. Doch die kleine Lara-Sophie hüllt sich darüber in Schweigen. Sie lächelt dann immer nur mild und meint, es wäre ein Geheimnis. Sie würde etwas ausprobieren wollen und sie hätte Angst, dass es nicht klappt, wenn sie es verraten würde. Also belassen sie es dabei, sich darüber zu freuen, wie lieb ihre Tochter nun ist und sich darüber zu wundern, dass sie immer Kekse in den Flur stellt.

Lara-Sophie steht nun auch immer ganz früh auf. Manchmal sogar als erste. Und immer rennt sie in den Flur, um zu bemerken, dass die Kekse noch genauso da liegen, wie am Abend zuvor. Sie schaut dann immer einen Moment enttäuscht nach unten, macht das Licht aus und räumt alles wieder ordentlich weg.

Doch eines Tages war alles anders. Als Lara-Sophie aufwachte, hatte sie schon das Gefühl, dass es heute geklappt haben musste. Sie hatte dieses Gefühl zwar jeden Tag, diesmal aber ganz besonders. Also lief sie noch etwas erwartungsvoller als sonst immer die Treppe hinunter, bog noch etwas schwungvoller als sonst immer um die Ecke und schaute auch kein bisschen enttäuscht nach unten, sondern eher fragend und ein wenig verwirrt nach vorn. Die Kekse waren alle weg, wie sie es erwartet hatte. Kein einziger Krümel war übrig. Die Dekoration lag aber noch an genau derselben Stelle wie den Abend zuvor. Es sah so aus, als hätten auf dem Teller niemals irgendwelche Kekse gelegen. Stattdessen sah man dort auf dem Teller eine Art plüschige Kugel. Jedenfalls sah dieses Etwas vor ihr zunächst aus wie eine Kugel. Lara-Sophie wollte sie in die Hand nehmen, traute sich jedoch nicht so richtig. Also pikste sie sie nur einmal. Sie fühlte sich eher kratzig an. Und bei genauerem Hinsehen war sie auch nicht genau kreisförmig, sondern eher eckig. Halt sehr eckig, so dass sie beinahe wie eine Kugel aussah. Lara-Sophie  schaute es noch eine Weile an, dann wurde ihr Blick etwas verklärter, die Augen fingen an zu leuchten und plötzlich rief sie: “Das muss ein Beusch sein!”

“Ein was, mein Schatz?”, fragte eine Stimme hinter ihr. Es war ihre Mama. Und weil Lara-Sophie nicht mit ihr gerechnet hatte, zuckte sie kurz zusammen. Dann drehte sie sich um, sie hatte das Beusch nun in der Hand, und lächelte ihre Mama mit großen Augen an. “Ein Beusch!”, rief sie. “Ich habe letztens gelesen, wenn man ganz brav ist und Kekse rausstellt, dass man dann einen Beusch bekommt! Und, wenn du einen Beusch hast, dann passiert etwas ganz tolles!” Die Mutter schaute ihre kleine Lara-Sophie lächelnd an. Aber auch ein wenig verwirrt, denn sie fragte sich, was denn genau ihre Kleine da in ihren Händen hielt. Sie wollte es sich noch näher anschauen, ihre Tochter war aber schon in einem wahnsinnigen Tempo an ihr vorbei und in ihr Zimmer gelaufen. Also beschloss die Mutter, später ihren Mann zu fragen, ob er etwas damit zu tun hatte. Was sie dann wohl vergessen haben muss, sie hat das Thema dann nicht mehr angesprochen.

Lara-Sophie aber bunkerte den Beusch nun in ihrem Nachttisch, direkt neben dem Bett. So dass sie, wenn sie noch wach war oder wieder wach wurde, immer wieder mal hinein schauen konnte, um sicherzugehen, dass ihr Beusch noch da ist.

Und dann passierte erst mal nichts. Für etwa sechsunddreißig Stunden.

————

Für die Idee bzw. für ganz viele Ideen hierzu bedanke ich mich ganz herzlich beim Bastian von fonflatter.de mit einem lauten WUHU! :)

http://www.fonflatter.de/2012/12/20/2649-tellerchen/

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4 Gedanken zu “Das Beusch – Teil 1

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