In Tagebucheinträgen – Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Ich nehme an, dass es eher ungewöhnlich ist, ein Vorwort zu einem Tagebuch zu schreiben.

Wieso tue ich es dann?

Nun, ich hoffe, dass es irgendwann jemand findet und liest. Ich weiß nicht, ob das jemals passieren wird. Falls aber doch, sollte derjenige ein paar grundlegende Dinge wissen.

Zunächst ein paar Zeilen zu mir:

Mein Name ist Anna Violetta. Ich bin einundzwanzig  Jahre alt, eins dreiundsechzig groß, habe schwarzes glattes Haar und beinahe ebenso dunkle, braune Augen.

Zu meiner Familie selbst kann ich leider nicht so viel sagen. Meine Eltern habe ich nie kennen gelernt. Meine frühsten Erinnerungen hängen alle mit einem Waisenhaus zusammen. Sie gehören jedoch nicht zu denen, die ich gerne in meinen Sinn zurückrufe. Sobald ich konnte, habe ich das Heim verlassen, da war ich siebzehn. Dann hab ich mich ein Jahr irgendwie durchgeschlagen und bin dabei viel rumgekommen, schlussendlich aber dann doch an einem Ort gelandet, wo ich bleiben konnte, in Helfurth.

Helfurth ist eine Stadt-Insel mit 200 Einwohnern. Am Anfang fand ich die Bezeichnung „Stadt-Insel“ sehr irritierend, schließlich befand sich auf ihr ja nur ein Dorf. Aber irgendwann erklärte mir jemand, dass sich das Präfix vor „Insel“ niemals auf die Einwohnerzahl sondern immer auf die Fläche des Landes bezog. Damit war ich dann einverstanden, denn Land hatten wir genug, nämlich in etwa so viel, wie die Fläche einer größeren Stadt einnehmen würde. Das reicht, um sich mit Landwirtschaft, Viehhaltung und Handel über Wasser zu halten. Wie sagt man so schön? Die Subsistenz ist ermöglicht.

In Helfurth selbst arbeitete ich in einer Art Laden, in dem man auch die Möglichkeit hatte, sich hinzusetzen und einen Happen zu essen. Dort war ich für die Ordnung und Sauberkeit, sowie fürs Bedienen der Gäste zuständig. Gleichzeitig hatte ich noch Aufgaben auf der Weide. Meine Chefin, Leonora, besaß eine Schafherde. Ich kannte jedes einzelne der einstmals 128 Tiere, seit heute sind es nur noch 127. Ich konnte sie mit bloßem Auge auseinander halten. Und ich kannte ihre genetischen Fingerbadrücke, weil ich vor einiger Zeit das Glück gehabt hatte, einen Genscanner ergattern zu können. So ist es jedenfalls möglich, präzise Stammbäume aufzustellen und Inzuchten zu vermeiden. Das ist dann eine gute Hilfestellung dabei, genetisch vererbbare Krankheiten zu vermeiden, andererseits aber auch optimale Zuchtergebnisse zu erzielen. Ich will mich nicht rühmen, aber unsere Herde hatte mit Sicherheit die besten und gesündesten Schafe der ganzen Insel!

Aber deswegen führe ich dieses Buch nicht. Vielmehr geht es mir darum, von dem Tag zu berichten, an dem ich die verrückteste Entscheidung in meinem Leben getroffen habe. Und von den Konsequenzen, die ich aber bis jetzt noch gar nicht erahnen kann.

Ich glaube, ich fange jetzt einfach mal heute Vormittag an.

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2 Gedanken zu „In Tagebucheinträgen – Vorwort

  1. Es gelingt dir, das Interesse des Lesers zu wecken und seine Aufmerksamkeit zu fesseln (Deutschlehrer klingen doch toll, oder?).
    Nein, wirklich. Mal wieder so ein „Wie geht es weiter?“-Moment.
    2 Anmerkungen:
    1. Der 3. Absatz ist etwas kompliziert formuliert. Hab noch keine Konkreten Vorschläge, aber eben der Eindruck selbst ist ja schon mal wichtig. Du weißt schon, die ersten Sekunden im Bewerbungsgespräch, der Händedruck usw. Es gibt ganze Studien, die sich mit Romananfängen befassen. Glaub ich. Okay – aber es gibt studierte Leute, dies tun.
    2. Vorletzter Absatz: „verrückteste Entscheidung in meinem Leben“ – benutze da um Himmelswillen kein Plusquamperfekt! entweder traf oder getroffen habe. „Traf“ verleiht diesem Satz – der ja durchaus eine wichtige Funktion einnimmt – eine gewissen Schwere. „Getroffen habe“ passt sich an den unschuldigen, umgangssprachlichen Ton der Erzählerin an. Je nach dem, welchen Effekt du erzielen möchtest.

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