Fantasy Geschichte – Part 3

Inhaltsverzeichnis

Schon von weitem sahen die vier Keluro vor sich liegen.

Zunächst fiel ein merklicher Wechsel der Landschaft auf, die Wälder wichen weiten Feldern und Wiesen, nur vereinzelt stachen noch einzelne Bäume, Inseln gleich, heraus. Infolge des fehlenden Schutzes wehte nun der Wind heftiger. Hatten die Gefährten im Wald bloß ab und an eine leichte Brise wahrgenommen, konnten sie den Wind nun deutlich spüren und an den sich biegenden Feldfrüchten sehen.

Dann erschien die Stadt am Horizont. Zunächst war sie nur ein kleiner Fleck, doch Schritt für Schritt wuchsen ihre Mauern und Türme, sowie die Dächer der höchsten Häuser empor.

Hoch motiviert  und auch ein wenig aufgeregt schritt Chris mit den anderen auf die Siedlung zu. Was würde sie dort erwarten? Chris stellte sich das rege, lärmende Treiben der Menschenmassen auf der Hauptstraße vor. Die vier kamen ja nicht vom direkten Hauptverkehrsweg auf die Stadt zu, folglich würden sie noch ein wenig um die Stadt herumlaufen müssen, um zum Tor zu gelangen. Dieses würde weit aufstehen, um ein stetiges Ein- und Ausgehen diverser Menschen zu ermöglichen, bewacht von ein paar gut ausgebildeten Männern, die alles stets unter Kontrolle hatten. Chris würde mit den anderen einfach dem Weg folgen und zwangsläufig am Marktplatz ankommen. Heute würde zwar wahrscheinlich kein Markt sein, doch würden die Menschen kreuz und quer unterwegs sein und ihrer Arbeit nachgehen, oder um etwas anderes wichtiges zu erledigen, oder einfach nur zum Vergnügen. Aus der Kneipe würde schon das erste Gelächter schallen, Kinder würden spielend umherlaufen und so das ganze Bild um eine weitere Nuance bereichern…

Chris romantisierende Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als die Gruppe stehen blieb.

„Mh“, meinte Bjarne nur. „Geschlossen.“

Dylaan klopfte einmal gegen das Tor. Nichts geschah. Er klopfte noch einmal. Eine kleine Luke auf Augenhöhe wurde geöffnet.

„Wer da?“, tönte es unfreundlich heraus. – „Wir sind Tagelöhner auf der Suche nach Arbeit.“ – „Ah“, lautete die kurzatmige Antwort. Dylaan blickte einen Moment lang seine Begleiter an, dann drehte er sich zurück zu dem Augenpaar. „Wir bitten Euch um Einlass, wenn es recht wäre, denn wir hatten uns vorgenommen, hier in ebendieser Stadt nach Arbeit zu suchen.“ Der Angesprochene grunzte kurz, dann schloss er das Sichtfenster.

Chris schaute verwirrt umher. „Und jetzt?“ Die anderen blieben ruhig. Dylaan deutete bloß eine beschwichtigende Geste an. Dann knackte es leicht und eine Tür innerhalb des Tores ging auf. „Tretet ein.“

Chris beobachtete, wie seine Begleiter dem Aufruf folgten. Er musterte die Wache im Vorbeigehen: es handelte sich um einen eher grobschlächtigen, gedrungenen Mann mittleren Alters, ausgerüstet mit einem Lederwams, einer Lederkappe und einem einhändigen Schwert. Sein Blick war in der Tat noch abweisender und verriet eine noch größere Lustlosigkeit als seine Antworten. Chris stutzt kurz ob des seltsamen Erscheinungsbildes dieses Individuums. Und das wohl einen Moment zu lang, denn dieser schnaubte noch einmal verächtlich und murmelte, gerade laut genug, dass es noch verstanden werden konnte, und mit einem Unterton, der höchste Abneigung verriet: „Viel Spaß wünsche ich Euch in der Stadt, Fremde.“

Dann wandte er sich um und schloss die Tür.

Die Hauptstraße, auf der sich die vier nun befanden, führte bogenförmig an dicht gedrängten Häusern vorbei, so dass man immer nur bis zur übernächsten Quergasse schauen konnte. Trotzdem gab es nicht viel zu sehen. Die Straßen waren leer, die Haustüren allesamt geschlossen. Man vernahm weder das Geräusch spielender Kinder, noch schäkernder Weiber oder laut diskutierender Männer, bloß eine Art fernes Gemurmel.

Die vier folgten der Straße weiter, nichts änderte sich, bloß das Murmeln wurde lauter. Und mit einem Mal standen sie auf dem Marktplatz.

Vor ihnen erhob sich ein Meer aus Menschen. Alle Bewohner dieser Stadt waren hier versammelt. Die Geräusche, die Chris in der Straße vermisst hatte, drangen nun mit der doppelten Intensität an sein Ohr. Kinder liefen einzeln oder zu mehreren lachend und rufend durch die Menge, Frauen und Männer standen in Gruppen zusammen, heftig diskutierend, vereinzelnd liefen Menschen mit Bauchläden durch die Masse und priesen rufend ihre Ware an: warmes Fleisch, knackiges Obst, frisch gebackenes Brot, faules Gemüse…

Chris stutze. Bot dieser Junge da tatsächlich faules Gemüse an?

Nun fiel Chris auch auf, wie die Kinder Steine vom Boden aufhoben und damit durch die Menge zum Zentrum des Platzes liefen. Verwundert hob er den Blick, lies ihn über die Menschenmasse gleiten und fand ein Podest. Chris musste gegen die Sonne schauen, deswegen kniff er die Augen zusammen und schirmte diese mit einer Hand ab, um etwas erkennen zu können. Auf diesem Podest befand sich nämlich etwas, soviel sah Chris, eine Art Holzaufbau…

„Eine öffentliche Zurschaustellung!“

Chris schaute zur Seite. Der Ausruf kam von Rico, dieser war außer sich. „Wisst ihr, wie lange meine letzte öffentliche Zurschaustellung zurückliegt? Ich fasse es nicht, haben wir ein Dusel!“ Chris Gefährten hatten wohl einen der Umstehenden gefragt, wo sie hier hineingeraten waren. Dieser hatte anscheinend etwas erklärt, was Rico zum zuvor genanntem Ausruf verleitet hatte und sprach nun weiter: „Das kann man wohl sagen! Jedenfalls mehr als die armen Tropfe an den beiden Haupttoren.“ Chris grinste unweigerlich. „Und das ist nicht nur irgendeine Zurschaustellung!“, fuhr der Dörfler fort. „Unserem Scheriff ist es tatsächlich gelungen, einen Rebellen ausfindig zu machen.“

Chris Herz blieb für einen Moment stehen. Erinnerungen, Gefühle und Bilder überwältigten ihn, so dass er das Drumherum komplett ausblendete. Sein Blick war starr geradeaus ins Leere gerichtet. Doch so schnell dies kam, war es auch wieder weg. Er schüttelte kurz mit dem Kopf, dann kam alles zurück: die Geräusche, seine Gefährten, der Mann aus der Stadt. Ohne bewusst wahrzunehmen ob dieser noch redete, warf Chris ein: „So, ein Rebell? Prima! Ich weiß nicht, was ihr hier so vorhabt, aber ich wird mir jetzt eine bessere Sicht weiter vorne ergattern. Ich wollte schon immer mal so einen Rebellen von nahem sehen.“ Dann wandte er sich um und verschwand in der Menge.

Die drei schauten ihm nur kurz hinterher.

„Zwei Tage. Wie gehabt. Und da geht er schon. Braver Junge“, meinte Rico. „Und was machen wir jetzt?“

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2 Gedanken zu „Fantasy Geschichte – Part 3

  1. „bewacht von ein paar gut ausgebildeten Männern, die die Situation stets unter Kontrolle haben.“ –> da es sich um eine allgemeine Schilderung handelt, würde ich nicht die sehr konkrete Formulierung „die Situation“ verwenden – vllt: Männern, die alles stets unter Kontrolle – und dann bitte: „hatten“! Du und die Zeiten, ich liebe es 😀

    „Wir sind Tagelöhner auf der Suche nach Arbeit.“  ??? Haben die nicht im Kapitel davor erklärt, dass ihre Kasse zur Zeit gefüllt war und sie was erleben wollten? Das ist jetzt eine Frage zum bitte hier und jetzt beantworten …

    „Chris schaute verwirrt umher. „Und jetzt?“ Die anderen blieben ruhig.“  für Chris ist das also eher eine neue Situation, aha.

    „Chris beobachtete, wie seine Begleiter dem Aufruf folgten. Er musterte die Wache im Vorbeigehen:“  Er ist also ein Beobachter. Aha.

    Schön gemacht: Dadurch, dass Chris sich die Stadt zuvor vorstellt, wird dem Leser unterbewusst sofort bewusst, dass irgendwas nicht stimmt … Top!

    „Chris Herz blieb für einen Moment stehen. Erinnerungen, Gefühle und Bilder überwältigten ihn, so dass er das Drumherum komplett ausblendete. Sein Blick war starr geradeaus ins Leere gerichtet. Doch so schnell dies kam, war es auch wieder weg.“  Ja, ja, ja, eine weitere Andeutung! Das Wort Rebellen löst in ihm offenbar etwas aus … wo ist da die Verknüpfung? Ist er vllt auf der Suche nach ganz bestimmten Rebellen, an denen er sich rächen will? (Auf diese Idee bringt mich Byarns Geschichte aus dem vorherigen Kapitel … ist das vllt auch beabsichtigt?)
    Hu hu, cool!!! Es ist übrigens auch völlig unwichtig, ob sich solche Mutmaßungen, wie sie einem rätselfreudigen Leser wie mir durch den Kopf schießen, im weiteren Verlauf bestätigen oder zerschlagen, solange die Auflösung nicht irgendwie langweilig und effe ist … oh ja, händereib … hihihi!

    „Zwei Tage. Wie gehabt. Und da geht er schon. Braver Junge“, meinte Rico. „Und was machen wir jetzt?“  KLASSE!!! Ich lach mich kugelig!

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