Realsatire

Nichts und niemand schreibt interessantere Geschichten als das Leben persönlich. Und manchmal hat man das Gefühl, dass sich bestimmte Vorfälle bestimmter Kategorien an
bestimmten Orten häufen. Diese können ein leichtes Schmunzeln auslösen, manchmal aber auch Verzweiflung bis hin zu purem Entsetzen.Solch ein Ort ist ein spezieller Discounter in einer bestimmten Stadt.
(Anm. der Red.: Die folgenden Erlebnisse beruhen auf Beobachtungen des Autors und fanden allesamt morgens unter der Woche statt. Sie sind folglich rein subjektiv und nicht repräsentativ aufzufassen, sowie als reine Satire zu verstehen.)

Geht man immer zur selben Zeit im selben Ort einkaufen, so hat man eine hohe Wahrscheinlichkeit ein paar Leuten jedes Mal zu begegnen, andere sieht man nur einmal und dann nie wieder. Das könnte zum Beispiel so ablaufen:

Du gehst Richtung Eingangstür. Auf dieser steht auch in großen Lettern EINGANG, auf der daneben passenderweise AUSGANG. Gleichzeitig laufen, nur ein paar Meter vor dir, zwei junge Männer, sich unterhaltend. Sie wirken gut gelaunt. Du gehst, sie nicht weiter beachtend, weiter auf die Eingangstür zu und hast dabei im Hinterkopf, dass die zwei vor dir hindurch gehen werden. Doch seltsamerweise lenken sie nicht in Richtung EINGANG ein, sondern in Richtung AUSGANG. Du wunderst dich leicht. Und denkst dir: „Gleich laufen sie gegen die Scheibe…“ Doch geistesgegenwärtig wie sie sind, bleiben sie ein Haarbreit vor der Tür stehen, schauen sich verwirrt an, drehen um, sehen dein verwundertes Gesicht, lächeln verlegen, und verschwinden dann doch, kurz vor dir, durch die Tür mit der Aufschrift EINGANG. Du schmunzelst.

Dann gibt es, wie gesagt, Menschen, die man immer wieder sieht. Zum Beispiel die, die ihren Vormittag mit ein paar Zigaretten und eventuell dem ein oder anderen alkoholischen Getränk vor dem Discounter verbringen. Oder die, die leicht lächelnd, mit verwirrtem Blick, zotteligem Haar und schwankendem Gang in den Discounter hineingehen und mit nichts mehr als zwei Dosen Bier wieder hinausgehen. Eben solcher steht nun vor der Eingangstür bei den Einkaufswagen und isst anscheinend etwas. Du beachtest ihn nicht weiter, sondern gehst deinen gewohnten Gang durch den Discounter. Kommst du dann an die Kasse, wird er bereits vor dir da sein, mit den obligatorischen zwei Dosen Bier. Während er sich Zeit lässt um sein Geld aus der Tasche zu kramen und es abzuzählen, spricht die Kassiererin ihn plötzlich an: „Hier“, sagt sie, „du musst das Schnitzel aber braten, bevor du es isst!“ Du wirst hellhörig. „Ne, is aber lekka…“, nuschelt er und schaut lächelnd um sich. Du weißt dabei nicht genau ob dies der selbe Blick ist wie sonst auch immer, oder sich doch eine Spur Verlegenheit mit hinein mischt. „Nein, du musst das braten, sonst holst du dir noch was!“, fährt die Kassiererin fort. „Das mach isch aba immer so… Is lekka“, antwortet der Angesprochene wieder. Die Kassiererin fährt in ihrer Belehrung fort, er könne sich doch auch Frikadellen kaufen, die wären schon gebraten, doch der Angesprochene winkt ab, nimmt seine zwei Bier und zieht von Dannen. Und in genau diesem Moment zweifelst du kurz an der Menschheit…

Was ist nun meine Botschaft, die Quintessenz, die Message? Nun, ich weiß es nicht. Aber ich denke, ich freue mich schon auf viele weitere morgendliche Besuche in diesem Discounter, sie bewahren meine Tage zumindest davor, allzu alltäglich zu werden… 😀

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