Sommer

„Ärgerlich“, dachte ich, als ich nach oben schaute, „sehr ärgerlich! Und unfair.“

Eigentlich war es Sommer. Eigentlich sagte der Kalender, wir hätten Mitte August. Eigentlich.

Nun ja, ich will mal nicht so sein. Bis eben konnte man es tatsächlich glauben. Während ich noch im Büro saß konnte man erahnen, dass Sommer war. Dass die Sonne vom Äther floss und die Natur noch bunter malte als sie schon ist. Dass sie darauf wartete, den Erdboden zu küssen, in Gesichter ein Lächeln zu malen und über die Haut sommerlich gekleideter Menschen zu streichen.

All das konnte man erahnen, sah man auf das mit Dachpappe bekleidete Flachdach, welches ich meine Aussicht nennen durfte. Allerdings sah ich nur kurz dorthin, denn die Sonne floss so intensiv durch mein Fenster, dass die ich Jalousien schließen musste. Muss ich erwähnen, dass unsere Klimaanlage auf Hochtouren lief?

Doch ich tröstete mich. Es würde auch bald Feierabend sein. Zeit, sich in die Sonne zu legen, Zeit, ein Lächeln aufs Gesicht gezeichnet zu bekommen und die zarten Strahlen des leuchtenden Himmelskörpers selbst zu spüren.

Doch gleichzeitig mit mir machte auch die Sonne Feierabend. Oder die Schicht der Wolken fing an, ich kann es nicht genau sagen. Sie haben mich sicher beobachtet, meine Gedanken bemerkt und dachten sich: „Seien wir ein Mal etwas fies. Dieses eine Mal. Nur ein klein wenig…“

Nun sitze ich hier… Statt dass die Strahlen der Sonne vom Himmel fließen, scheinen sie eher zu tröpfeln. Ganz fein, kaum bemerkbar, gut gestreut. So dass es taghell ist, mehr aber auch nicht. Ärgerlich. Unfair. Wie ich bereits sagte.

Auf ein Mal werde ich geblendet. Was soll das denn? Was fällt diesem Strahl ein, genau in meine Augen zu leuchten?

Ich schaue auf. Und bemerke, dass es Sommer ist.

Der Himmel ist immer noch mit Wolken behangen, doch auf einmal stört es mich nicht mehr. Ich bemerke, wie die Sonne sich ab und an einen kleinen Teil Himmel zurück erobern kann. Wie sie es schafft, die Natur auf diese Art und Weise nuancenreich tänzelnd bunt zu malen. Wie jetzt ein Lächeln auf mein Gesicht gezeichnet wird. Wie mich angenehm warme Luft umgibt. Wie ich vom kühlen Nass auf eine angenehme Erfrischung eingeladen werde…

Lächelnd nehme ich die Einladung ein.  Man will ja nicht unhöflich sein. Und schließlich ist es nicht jeden Tag im Jahr Sommer!

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