Wie der Herr so der Hund

Man hört ja oft das Sprichwort „Wie der Herr, so der Hund.“ Und immer wieder finde ich, dass es gar nicht mal so unrecht hat. Im Gegenteil.

So begegnet mir des Öfteren ein Mann mit seinem Rüden. Ich würde den Mann als groß beschreiben. Als stämmig. Er hat wohl eine Glatze, dies kann ich jedoch nicht so gut beurteilen, da er zumeist eine Kappe trägt. Begleitet wird er von einem Hund. Dieser ist ebenfalls stämmig. Ich kenne mich nicht besonders aus, aber es wird vielleicht ein Pitbull Terrier sein. Auf jeden Fall ist ein ein sogenannter „Kampfhund“. Er hat sehr, sehr kurzes Fell und seine Zeichnung würde ich laienhaft als hellbraun-weiß gefleckt bezeichnen. Er trägt um sein Halsband grundsätzlich ein rotes dreieckiges Tuch. Was ihm, nebenbei gesagt, sehr gut steht. Es verleiht ihm etwas Schelmisches, Keckes. Und ich denke jedes Mal: Würde der Hund sich in einen Menschen verwandeln, so würde er genauso aussehen, wie sein Halter. Oder umgekehrt.

Nun geschah es vor ein paar Tagen, dass ich an der Ecke unterwegs war, an der ich dieser Person häufiger über den Weg laufe. Und ich vernehme plötzlich ein schrilles Bellen. Es klang schon so nach kleinem Wollknäul. Genauer gesagt klang es nach zwei von denen. Und richtig, kurz nach mir bog eine Frau um die Ecke, schmal, längeres, blond-graues Haar, begleitet von zwei kleinen Kläffern mit ebenso hellem, zerzaustem Fell. Sie zogen an der Leine, liefen wohl zwei Meter vor ihrer Halterin. Und bellten ohne Ende. Es regte mich furchtbar auf, wie wenig diese Frau ihre Tiere unter Kontrolle hatte. Sie lief noch eine ganze Weile weiter hinter mir und ich regte mich immer mehr auf.

Dann sah ich den stämmigen Mann mit seinem stämmigen Rüden. Der Mann unterhielt sich. Der Hund saß neben ihm. Schaute sich bloß um. Hechelte dabei. Er war still, bewegte sich kein bisschen, saß einfach neben ihm. Auch als die Kläffer näher kamen, schien ihn das nicht zu interessieren. Er saß nur da und hechelte. Und wenn Hunde hecheln sieht das immer ein wenig aus, als wenn sie lächeln. Er lächelte also friedlich vor sich hin, als sich sein Besitzer plötzlich verabschiedete und losging. Der Rüde stand auf, ging hinter ihm her. Der Herr stockte kurz, rief seinem Gesprächspartner noch etwas hinterher und ging dann schließlich wirklich weiter. Du musstest nicht warten, bis er sowas wie „komm“ oder „halt“ oder „sitz“ zu seinem Hund sagte, das Tier folgte ihm einfach unaufgefordert, bei Fuß, wie es sich gehört. Ich kann noch nicht einmal mehr sagen, ob der Hund nun angeleint war, oder nicht. Das schien total irrelevant zu sein.

Ich war beeindruckt. Sehr sogar. Und vergaß sogar kurz die Kläffer, die immer noch hinter mir waren und die Umwelt mit ihrer Geräuschkulisse belästigten.

Als ich sie wieder wahrnahm, erschien mir ihr Verhalten umso unerklärlicher. Dieser Hund vor mir, war mit Sicherheit eines der besterzogenen, bravsten Tiere, die ich je irgendwo gesehen hatte. Und diese kuscheligen Schoßhunde hinter mir… ich wüsste nicht, ob sie schnappen würden, auch im Beisein einer Besitzerin die hysterisch „AUS! AUS! AUS!“ kreischen würde. Denn was war diese Frau mehr als eine Besitzerin dieser Tiere? Eine Herrin mit Sicherheit nicht! Anders als der Mann vor mir seinem Hund.

Ich spinne den Gedanken weiter. Ich bin mir sicher, der stämmige Hund wird, aufgrund seiner Rasse, mit Sicherheit als „böse“, „gefährlich“ und „unberechenbar“ gelten. Die anderen beiden würden abgestempelt als „lieb“, „süß“, „knuddelig“ und was weiß ich nicht noch alles. Und da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Immer und immer wieder.

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4 Gedanken zu „Wie der Herr so der Hund

  1. Zum Teil ist das den Charaktereigenschaften der Hunderasse geschuldet, zum Teil aber auch der Umgang mit dem „Rudel“.

    Etliche der „großen, bösen“ Hunde sind von der Rasse her eigentlich umgängliche und geduldige Tiere. Und ja, man kann sie zu Killern erziehen und ja, es gibt auch vereinzelte Psychopathen unter den Hunden – genauso wie bei Menschen. Wenn so ein Vierbeiner auch noch eine passende Beisskraft hat, wird ja gleich gerne von Monstern gesprochen.

    In all den Jahren, die ich mit Hunden zusammengelebt habe, ist mir aufgefallen, dass Hunde mit wachsender körperlicher Größe ruhiger und ausgeglichener sind. Es mag vielleicht daran liegen, dass sie wegen der körperlichen Überlegenheit nicht gleich mit jedem anderen Vierbeiner, der zum Rudel stoßen will, einen Rangkampf anfangen müssen. Die kleinen Trethupen dagegen sind im Dauerstress – sie sind ständig das Omega-Tier, wollen nach vorne im Rudel, also wird fleissig die Klappe aufgerissen. Und weil sie so süss und knuffig sind und ja so itzibitzi-kuschelig, kümmert sich keiner um eine anständige Erziehung und um Strukturen im „Rudel“. Der kleine Kläffer ist ja nicht gefährlich, kann ja höchstens mal die oberste Hautschicht abnibbeln.

    Man muss sich halt als Hundebesitzer (egal, ob klein oder groß) im Klaren sein, dass das Familienmitglied Zuspruch, Unterstützung und auch eine gute (und oftmals strenge) Erziehung benötigt. Außerdem hilft es relativ wenig, wenn man einem Hund hektisches Verhalten durch eigenes Vorbild antrainiert – dann wird das Tier genauso hektisch und hibbelig und man ist im Teufelskreis des „aaaaahhhh, das Vieh geht mir auf die Nerven!“ gefangen.
    Ruhiger, umgänglicher aber dennoch bestimmter Umgang hilft wesentlich mehr bei der Erziehung eines Hundes als lauter widersprüchliche Kommandos, die wild durch die Gegend gebrüllt werden…

    • Ich sitze oft vorm PC, schreibe einen wahnsinnig tollen Mittelteil und denke dann
      „Mh, wie beendest du das ganze? So dass es rund wird?!“
      Hier hab ich’s wohl nicht so geschafft… Aber mir fiel auch kein besseres Ende ein 😦

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