Das Beusch – Teil 3

Inhaltsverzeichnis

Dann bemerkte sie, wie das Licht anfing, sich zu sammeln. Mitten in ihrem Fenster konzentrierten sich die Farben. Sie schienen sich zu umkreisen, zu ordnen, zu komprimieren. Dann blitze es kurz hell auf, so hell, dass Lara-Sophie die Augen schließen und den Kopf abwenden musste, um nicht geblendet zu werden. Als sie wieder nach vorne schaute, traute sie ihren Augen nicht. Nun, es ist ja nicht so, dass heute noch keine unglaublichen Dinge geschehen wären, doch das hier setzte dem Ganzen die Krone auf. Mitten in ihrem Zimmer befand sich ein Ende eines kunterbunten, glitzernden Regenbogens. Jedenfalls sah es aus wie ein Regenbogen, denn er wies die regenbogentypische Krümmung auf, wenn auch eher ein wenig flacher als gewöhnlich. Er bog sich von der Mitte ihres Zimmer aus bis gegen die Wand, dort endete er jedoch nicht, sondern schien weiterzulaufen. Aber nicht hinaus in den Garten, sondern in eine kunterbunte, funkelnde, taghelle Landschaft. Von ihrem Bett aus konnte Lara-Sophie das Szenario nur grob erfassen. Sie sah ein paar Bäume, jedenfalls ähnelten diese Pflanzen, wenn es denn welche waren, Bäumen. Sie waren ganz hell, beinahe weiß, und ihre Krone glitzerte ähnlich wie das Fell der Schläfrigen Hüpfmeerschweinchen. Ebenso der Boden, er sah aus wie eine riesige, leuchtende Blumenwiese. Lara-Sophie war fasziniert von dem vielen Leuchten und Glitzern. Sie beschloss, sich das Ganze näher anschauen zu müssen.

Vorsichtig, um keines der Schläfrigen Hüpfmeerschweinchen zu wecken, verließ sie ihr Bett und schlich durch ihr Zimmer, bis sie den Anfang des Regenbogens erreicht hatte. Fasziniert schaute sie ihn an. Ihr Blick folgte ihm bis zu dem Tor, das in ihrer Wand aufzugehen schien. Es war in etwa oval und waberte leicht. Ohne groß darüber nachzudenken stieg Lara-Sophie auf den Regenbogen und lief auf ihm bis zu dieser Öffnung. Vorsichtig berührte sie sie. Es war, als wäre sie mit Seifenhaut bespannt. Sie schillerte bunt und reagierte auf Lara-Sophies Berührung, indem sie vorsichtig nachgab und dann leicht nachschwang. Das kleine Mädchen war sehr fasziniert von diesem außergewöhnlichen Gebilde, ihre Augen leuchteten und waren weit aufgerissen. Sie fragte sich nun, ob es denn möglich wäre, diese seltsame Welt da vor sich zu betreten. Sie berührte die Membran dieses Tores noch einmal, diesmal versuchte Lara-Sophie aber, ihre Hand ganz hindurch zu stecken. Und ja, die Haut gab nach. Lara-Sophie stockte der Atem. Vorsichtig steckte sie auch ihre zweite Hand hindurch, dann ihren Kopf, einen Fuß und dann folge auch schon der Rest von ihr.

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Fasziniert schaute sie sich um. Sie stand noch immer auf dem Regenbogen mitten auf einer großen, bunten Funkelwiese. Lara-Sophie bemerkte, dass sie sich in einer ziemlichen Höhe befand und ihr Regenbogen auch noch ein wenig weiter den Bogen nach oben beschreiben würde. Auf der anderen Seite, bemerkte sie, befand sich immer noch das Tor, in das der Bogen hineinführte. Hinter dem Tor war nichts. Bloß die Ebene. Die Funkelwiese. Von hier sah ihr Zimmer so anders aus. Sie sah es auch wie durch Schlieren, verschwommen und unklar. Als wäre es aus einer anderen Welt. Lara-Sophie legte darüber den Kopf schief. Doch dann beschloss sie, sich der neuen Welt zuzuwenden. Das Tor schien ja offen zu bleiben. Also drehte sie sich wieder um und stiefelte auf dem Regenbogen Richtung oben. Das ging eine ganze Weile so und Lara-Sophie hatte das Gefühl, dass der Bogen des Regenbogens immer flacher wurde.  Und sie immer schneller. Ach, Lara-Sophie wollte doch so unbedingt wissen, was sich am Ende des wundersamen Regenbogens befand!

Und während sie so lief, machte sie sich die herrlichsten Vorstellungen darüber, was wohl auf sie zukommen möge. Vielleicht ein Schatz? Man sagt ja, dass am Ende eines normalen Regenbogens ein Zwerg mit einem Goldschatz stehen solle. Vielleicht wäre es bei einem Funkelregenbogen genauso?

(Lara-Sophie fand es übrigens sehr passend und sinnig, vor  alles aus dieser Welt, das Wort „Funkel“ zu setzen.)

Es müsste dann sicher ein wundervoller Funkelschatz sein!

Und selbst wenn nicht, so ist es hier trotzdem wundervoll. Lara-Sophie atmete tief ein, schloss kurz die Augen und drehte eine Pirouette. Es war beinahe Windstill. Und wenn eine leichte Brise wehte, so war diese sehr angenehm. Die Luft war klar und frisch. Sie roch aber auch leicht süßlich. Nach Keksen. Aber nicht nur, es lag auch ein anderer Duft darin, der Lara-Sophie jedoch das Wasser im Mund zusammen laufen ließ, trotzdem er nur ganz dezent war.

Sie beschloss so schnell wie möglich weiter zu gehen. Und mit jedem Schritt schien sich ihre Vorfreude zu vervielfachen. Und spätestens auf dem höchsten Punkt des Regenbogens, hatte Lara-Sophie das Gefühl, von Freude erfüllt zu sein. Als bräuchte sie gar keinen Grund um sich zu freuen. Als wäre ihre Freude das, was sie veranlasste sich noch mehr zu freuen. Der Gedanke machte sie sehr glücklich. Sie wollte noch stärker lächeln, als sie es schon tat, was aber nicht ging. Auch ihre Augen konnten nicht stärker leuchten, als sie es gerade taten. Lara-Sophie war jedoch sehr glücklich darüber und freute sich, anscheinend den Punkt der höchsten Freude erreicht zu haben. Sie nannte dieses Gefühl Freudefreudefreude…freude. Ihr war übrigens gerade sehr danach, selbst zu funkeln. Sie schloss ihre Augen, breitete die Arme aus und drehte ein paar Pirouetten. Dann ging sie weiter den Bogen entlang, jetzt hinab. Und wie sie so schlenderte und ein Liedchen pfiff und sich ihres Lebens freute, merkte sie gar nicht, wie schnell sie am Ende des Regenbogens angekommen war. Sie hatte bloß auf einmal das Gefühl, dass ihr Weg ziemlich steil geworden war. Und richtig: als sie stehen blieb und sich umschaute, konnte Lara-Sophie das Ende des Bogens ausmachen. Ihr schien, dort würde ein Schild stehen. Und dass sich von dort an ein Weg weiterschlängeln würde. Sie meinte auch, ein paar Häuschen ausmachen zu können. Allerdings war dies alles schwer zu sagen, da alles so hell funkelte, man konnte die Konturen und Formen nur sehr schwer definieren. Deshalb wollte sie sich das Ganze nun näher anschauen. Sie setzte sich kurzerhand auf ihren Hosenboden und rutschte den Rest des Regenbogens hinunter.

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Erneut geht mein Dank für die Idee bzw. für ganz viele Ideen hierzu an Bastian von fonflatter.de
WUHU! und so 🙂

http://www.fonflatter.de/2012/12/20/2649-tellerchen/

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4 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 3

  1. WWWOOOOOOOWWWWW!

    Ich bin …. sprachlos.

    Nein, doch noch nicht ganz 😉
    Aber das ist ein Text, in den möchte man eintauchen und ihn so richtig nach Herzenslust analysieren. Da könnte so viel Symbolik drinstecken – allein schon dass der höchste Punkt des Regenbogens und die „Vollkommenheit“ ihrer Freudefreudefreude … freude aufeinandertreffen. Und überhaupt, die ganze Schilderung reißt einen förmlich mit – wie machst du das?!?

    Und die Funkel-Idee und …
    pfffhhhhh …

    Ich bin raus.

  2. Ich bin mindestens begeistert und freue mich, was du aus ein bisschen Herumkasperei erschaffst. Erneut kann ich nur meiner Ungeduld Ausdruck verleihen und die Hoffnung äußern, dass es bald weitergehen möge mit Lara-Sophie.
    Und wenn ich noch einen Wunsch äußern darf: ich hätte gern ein Zimmer voller Schläfriger Hüpfmeerschweinchen.
    Und so.

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