Das Beusch – Teil 5

Inhaltsverzeichnis

Es war eigentlich eine schöne Stadt, nur sehr klein. Halt groß genug, für Schläfrige Hüpfmeerschweinchen. Sie selbst hätte in kein einziges dieser Häuser hineingepasst!

So gingen die beiden eine Weile und das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen erzählte dabei so allerhand über die Stadt Oschatz. Zum Beispiel führte es an, dass sie einige tausend Schläfrige Hüpfmeerschweinchen beherberge, und dazu viele Gelbgelbe Blütenwusel und auch einige Zwockelige Nichtsdestotrotze.

Hier musste Lara-Sophie schon direkt einhaken. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was das für Wesen sein sollten. Woraufhin das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen kurz lachte. Und dann mit seinem Schnäuzchen nach rechts deutete. Dort sah Lara-Sophie in einem malerischen Vorgarten voller bunter Blüten ein ganz gelbes Wesen. Lara-Sophie hatte wohl noch nie solch ein intensives Gelb gesehen, sie würde die Farbe dieses Wesens getrost Gelbgelb nennen. Und es sah, ähnlich wie die Schläfrigen Hüpfmeerschweinchen selbst, sehr, sehr flauschig aus, vergleichbar mit einem Küken. Nein, eigentlich war es noch viel flauschiger! Und natürlich funkelte es. Dieses Wesen lief immerzu querbeet durch den Vorgarten. Richtig drollig, wie es sich so durch die Blüten wuselte. Als könnte es sich nicht entscheiden, welche es nun beschnuppern wollte und sich dann kurzerhand für alle entschied. Lara-Sophie musste kurz kichern. „Das ist sicher ein Gelbgelber Blütenwusel!“, rief sie freudig aus, woraufhin das Meerschweinchen an ihrer Seite nickte.

„Und schau hier“, sagte es und deutete nun in die andere Richtung. Dort kam gerade ein weiteres flauschiges, funkelndes Wesen die Straße entlang. Es schillerte in gedeckten Herbstfarben und sah sehr belesen aus, seine Brille saß tief auf der Nase und es hatte mehrere Bücher unter dem Arm klemmen. Gleichzeitig wirkte es ähnlich wie das Gelbgelbe Blütenwusel sehr beschäftigt, es lief sehr unruhig umher und schien in jeder Ecke etwas interessantes zu finden. Das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen neben Lara-Sophie kicherte kurz, dann ging es auf das Wesen zu und meinte: „Entschuldigung, liebes Zwockeliges Nichtsdestotrotz“, fing es an, „heute ist doch ein wunderbares Wetter, nicht wahr?“

„Ja“, entgegnete es höflich. „Nichtsdestotrotz habe ich mir jede Menge Bücher ausgeliehen, die ich noch lesen wollte!“

„Das kann man sehen“, antwortete das Hüpfmeerschweinchen. „Sind es Romane oder eher Sachbücher?“

„Beides. Nichtsdestotrotz habe ich leider nicht alle Bücher mitnehmen können, die mich interessierten.“ Es seufzte leicht, und fügte direkt hinzu: „Ich unterhalte mich ja eigentlich gerne mit dir, nichtsdestotrotz muss ich nun weiter, meine Bücher warten!“

Das Hüpfmeerschweinchen nickte und lies das wuselige Wesen ziehen. „Auch ein Zugezogener“, meinte es dann, zu Lara-Sophie gerichtet. Sie kicherte wieder kurz.

Dann zogen sie weiter, vorbei an den kleinen Häuschen, an kleinen Kirchchen, einem prächtigen, kleinen Rathäuschen und etwas außerhalb konnte Lara-Sophie zwei prächtige, kleine Schlösschen entdecken. Und immer wieder sah sie kleine Bäckerstübchen und zog den Geruch, der aus ihnen strömte genussvoll ein.

„Ihr backt hier aber viele Kekse!“, führte Lara-Sophie an.

„Oh ja“, antwortete ihr Begleiter, „wir essen auch kaum etwas anderes-“

„Außer Fluffelknuffel?“, warf Lara-Sophie sofort ein, woraufhin das Meerschweinchen sie mit weit aufgerissenen Augen anschaute.

„Woher weißt du das denn?“, fragte es.

„Nun ja“, antwortete sie. „Einfach so.“ Und sie lächelte dabei geheimnisvoll. „Allerdings“, warf sie nur kurze Zeit später ein, „hab ich absolut keine Ahnung, was Fluffelknuffel sein sollen!“

„Nicht?“ Das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen sah sie mit großen Augen an. „Das ist aber komisch. Ich meine, du kennst sie, dann aber irgendwie doch nicht? Nun, das müssen wir sofort ändern, denn sie sind eine wahrhafte Delikatesse!“ Dann zwinkerte er ihr zu und bugsierte sie zu einer der vielen Keks-Bäckereien. Dort sprach er kurz mit dem Inhaber, der daraufhin gerne zwei Teller rausschob. Auf beiden lag etwas, was Lara-Sophie so noch nie gesehen hatte. Es erinnerte sie an den gewöhnlichen Keks. Aber auch an ihren Beusch. Und es roch wahnsinnig lecker! Dann riss sie die Augen auf. Ja, das war der Geruch, den sie schon auf dem Regenbogen vernommen hatte! Das Glücksgefühl von dort stellte sich wieder ein. Dann nahm sie den Fluffelknuffel in die Hand und roch einmal dran. Sie merkte, wie sämtliche Geschmacksnerven in ihrem Gaumen anfingen zu tanzen. Es war ein wahrer Freudentanz! In Lara-Sophie baute sich wieder eine unendlich große, immer größer werdende Vorfreude auf, als sie den Fluffelknuffel langsam in die Richtung ihrer geöffneten Lippen bewegte. Sie merkte, wie ihr das Wasser im Mund zusammen lief und das Kribbeln im Gaumen immer intensiver wurde. Der Moment, bis das Fluffelknuffel schließlich ihre Zunge erreichte, kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Und sie merkte sofort: die Vorfreude, hielt was sie versprach! Das angenehme Prickeln im Gaumen intensivierte sich, es war, als würden ihre Geschmacksknospen nun Achterbahn fahren, sich immerzu drehen und nicht zur Ruhe kommen. Immer stärker und stärker wurde das Geschmacksempfinden. Gleich einem Feuerwerk platze mit jedem Kauen ein anderes Geschmackserlebnis mit voller Wucht hervor.  Es wurde jede Nuance des Leckerschmeckens, die sie kannte, abgedeckt, und das auf eine so harmonische und vollkommene Art und Weise, dass sie nicht anders konnte, als absolut verzückt zu sein. Lara-Sophie kniff ihre Äugelein zusammen und jauchzte einmal vor Freude.

Das Meerschweinchen an ihrer Seite kicherte kurz. „Lecker, oder?“

Lara-Sophie schaute es mit großen Augen an. „Lecker ist gar kein Ausdruck!“, rief sie strahlend aus. „Das ist das beste, was ich jemals essen durfte! Vielen Dank dafür!“ Und dann lächelte  sie ganz zufrieden.

„Schön“, entgegnete das Meerschweinchen lächelnd. „Dann können wir ja weiter gehen. Du musst unbedingt noch unseren Platz und das Wahrzeichen sehen!“, rief es begeistert aus.

Lara-Sophie war noch voller Verzücken und dachte immerzu nur an das Fluffelknuffel, während sie dem Meerschweinchen eher nebenbei folgte. Es erzählte auch noch etwas, aber sie bekam das alles gar nicht mit, weil sie die ganze Zeit an diesen besonderen Geschmack dachte und daran, dass sie ihn am liebsten für immer im Mund behalten würde! Sie drehte noch ein paar freudige Pirouetten und wäre deshalb fast gegen das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen gestoßen. Denn inzwischen waren die beiden schon auf dem Marktplatz angekommen und das Schweinchen stand nun da und schaute fasziniert nach oben. „Und das“, führte es voller Ehrfurcht aus, „ist unser Wahrzeichen!“

——-

Hier noch einmal die Quelle meiner Inspiration, zusammen mit einem Dankeschön dafür 😉

http://www.fonflatter.de/2012/12/20/2649-tellerchen/

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16 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 5

  1. Sag mal – wo um alles in der Welt willst du mit der Geschichte eingentlich hin?!?

    Dass dein Spannungsbogen ganz schön holprig ist, wenn man Teil 3-5 im Zusammenhang liest (also vor allem zw. 3 u. 4), weißt du? Müsstest du irgendwann mal durch die Mangel schicken und ausbügeln … Oder anders gesagt: Teil 4 hält nicht, was Teil 3 verspricht.
    Die Ideen und alles sind natürlich erste Sahne um nicht zu sagen: allererster Fluffelknuffel! Da bin ich einfach nur verzückt. Aber dann eben doch die ziemlich starke Empfindung dessen, was ich oben beschrieben hab.
    Mach nur weiter so … 😉

    PS: Irgendwie störts mich, dass sowohl die gelbgelben Blütenwusel als auch die wuseligen Nichtsdestotrotze das Wörtchen „wusel“ verwenden. Kannst du die Nichtsdestotrotze nicht anders nennen?

    • Also, ich kann schonmal getrost versprechen, dass sich im sechsten Teil, der auch wahrscheinlich der letzte sein wird, der Kreis schließen wird.
      Ich werde bei Gelegenheit die Texte mal intensiv auf dieses Empfinden hin lesen. Als Autor ist man bloß immer ein wenig betriebsblind… Aber ich merkte grob, was du meinst. Teil 3 baut eine gewaltige Spannung auf, eine riesige Erwartung und dann kommt der humuristische Einschub mit den Dialekten, der die Kurve direkt abbremst und senkt. Und nun sind wir auf einmal in der Stadt und es kommt eine Neuerung nach der anderen die schon putzig ist, aber weder die intensive Erwartung aus 3 aufgreift (außer vllt die Episode mit dem Geschmack des Fluffelknuffels, aber die ist ja auch nur ein Einschub und wird schnell aufgelöst), noch den Humor aus 4.
      Aber warte auf 6, da wird die Kurve wieder – hoffentlich ordentlich – aufgegriffen 😉
      (Passt das etwa zu dem, was du meinst? Wie kann man das verbessern?)

      Und die Namen waren übrigens „vorgegeben“ von meiner Inspirationsquelle, es wäre ein Frevel, sie zu ändern ;->

      • Dann gilt diese Kritik deiner Inspirationsquelle. Schade, nicht zu ändern

        Jepp, dass mit der Kurve hast du völlig verstanden. Dann bin ich’s ja zufrieden. Wie man das ändern kann? Ich fürchte, das beste was mir einfällt, ist, die Spannung in drei einfach nicht so drastisch aufzubauen. Obwohl es schade um diese gigantische schriftstellerische Leistung ist. Aber den Humor darfst du nicht streichen (wahrscheinlich würde sich sonst auch wieder deine Inspirationsquelle einschalten?). Mal schaun. Ich wart erst mal sechs ab.

        Das wäre deine erste Folge-Geschichte mit Ende, oder?
        Mach mal die anderen weiter. Sind beide gut.

    • Tja, that’s life.
      Ne, das mit dem Humor kam aus meinem Köpfchen 😉
      Der bleibt aber auch.
      Naja, vllt kann ich versuchen, die Spannung wenigstens schweben zu lassen. Wobei es schwer ist, sie so lange zu halten. Und ermüdend für den Leser.
      Naja mal sehen

    • Frechheit!
      „Einmal Rupert und zurück“ hält nicht was die „Per Anhalter durch die Galaxis“- Reihe verspricht! Aber der vierte Teil hält nicht nur dass was der dritte verspricht, er sprengt sogar die Erwartungen (Jetzt wieder beim Beusch)! Meiner Meinung ist das kein Stilbruch, oder ein „Spannungstal“, sondern ein gelungener und schön zu lesender Wechsel des „Schreib-Themas“ (sagt man das?), zum Auftakt der Einleitung (<- Hier befinde ich mich zumindest vom Gefühl, bitte nicht aufhöhren!)
      Was anderes, rein von der Inspiration (natürlich neben Basti 🙂 ), liegt dass ja irgendwo zwischen Moers (vor allem dieser Teil!) uns "Disney's Fluppy Dogs" – kaum zu glauben dass das so gut funktioniert 😀 !!!
      Damit zum letzten Punkt, jetzt das Ende zu schreiben, in der Einleitung, wäre so, wie wenn Moers "Rumo" mit der Befreiung von dem Schiff endet oder seine "Stadt der träumenden Bücher" mit dem einquartieren Mythenmetzs in die Stadt- die Charaktere wurden präsentiert, aber grade mal ansatzweise gezeichnet, von Handlung ganz zu schweigen. Das wäre ganz, ganz, ganz, ganz. ganz, ganz Schade!

      Ist jetzt leider doch ein bisschen viel geworden, in mir schwingt noch zu viel Begeisterung, pardon.

      • Danke für deinen Kommentar!
        Deine Vergleich mit Douglas Adams und Walter Moers ehren mich.
        Und die Verknüpfung zu Disney’s Sprechende Hunde durchaus nicht unpassend 😉
        Außerdem freut es mich, dass meine Geschichte so viel Begeisterung auslöst! Vielen dank 🙂

  2. Du hast übrigens hiermit die Erlaubnis, sämtliche Namen der Kreatürchen zu ändern und deinen Wünschen anzupassen. Schließlich sind sie recht spontan aus mir herausgehüpft, und da ich ständig irgendwas mit „wuseln“ und „fluffeln“ von mir gebe, waren Dopplungen nicht auszuschließen.

    Ich finde auch, dass ein bisschen Handlung nicht schaden könnte, kann aber gut verstehen, dass die bei den ganzen Beschreibungen irgendwie schwer einzufügen ist. Außerdem kann ich mal schnell auf Herrn Hesse verweisen, der mit handlungsarmen Beschreibungen ganze Kapitel füllte…

    Die Geschichte fühlt sich an, als wäre sie erst am Anfang, und ich bin gespannt, wie du in Teil 6 den Bogen malen wirst.

    Auf jeden Fall mag ich die Hüpfmeerschweinchen immer mehr und grinse die ganze Zeit vor mich hin. Auch der Cliffhanger ist super.
    Ich freue mich auf den Rest!

    • Vielen Dank für die offizielle Erlaubnis und so 😉
      Ja, Handlung ist an sich ne gute Sache, es kommt nur leider der Umstand hinzu dass mir das Bilder malen mit Worten viel leichter fällt, als eine Handlung aufzubauen, zu beschreiben, voranzubringen und so weiter. Das erfordert bei mir immer ein erhöhtes Nachdenken.

      Ich hab jetzt nochmal meinen bisherigen Rest überflogen und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das Ende nun ein wenig abrupt und sogar gezwungen herbeigeführt habe. Vielleicht füge ich ja doch noch was hinzu, wenn mir die Tage was passendes einfällt, man wird sehen.

      Aber viel zu lange soll es nicht werden, ich würde eine Fortsetzungsgeschichte ausnahmsweise auch mal zu Ende führen wollen… 😉

      Und danke, dass du so fleißig Werbung machst und alles liest und überhaupt 🙂

      • Ich finde gut, dass dein Plan ist, die Fortsetzungsgeschichte zu beenden. Ist auf jeden Fall ein erstrebenswertes Ziel.:)

        Bin – wie immer – gespannt.

    • Da ich ständig Feed-Back bekomme, welches besagt „Das hier liest sich wie eine Einleitung, jetzt muss was passieren“, habe ich beschlossen, dass noch etwas passieren muss. Der Bogen wird also doch noch nicht zuende geschlagen.
      Mehr dazu nächste Woche… 😉

  3. Pingback: #2574: Draußen « fledermaus fürst frederick fon flatter

  4. Ah, jetzt wo ich die Inspirationsquelle kenne, sehe ich’s noch einmal mit anderen Augen! Unglaublich, wie du diese Vorgaben so abgearbeitet hast, dass sich doch ein sehr organisch gewachsener Eindruck ergibt (nach dem ersten Teil hatte ich eher etwas düstere ScienceFiction erwartet und die Mitteilung, dass Lara-Sophie ein ganz Liebe sei, eher als Hinweis auf eine spätere schlimme Wendung genommen).
    Eigentlich ist es schade, jetzt hast du so eine formidable Bühne aufgebaut und zeigst uns die exquisiten Kulissen und Nebendarsteller und machst dann die Kiste (voller Worte) wieder zu. Die Handlung voranzutreiben, erforderte ja eigentlich nur, die Protagonistin in unangenehme Situationen zu bringen. Gibt es Feinde in dem Wunderland ( eigentlich ist das ja eine Zauberer von Oz Situation (oder 3:0 für die Bärte))? Oder hat dieses Meerschwein, weil es dachte, dass Lara-Sophie ohnehin Bescheid weiß, nicht darauf hingewiesen, dass man das Land nicht mehr verlassen kann, wenn man einmal Fluffelknuffel gegessen hat…? Ich würde also gerne noch etwas mehr lesen, nichtsdestotrotz ich natürlich jede andere Entscheidung der verehrten Autorin ergebenst hinnehmen werde….
    Liebe Grüße,

    Andreas

  5. Vielen Dank für dein Feed-Back!
    Ich schätze es immer sehr, wenn Leute mit mitteilen, welche Gedanken und Fragen ihnen beim Lesen meiner Geschichten kommen! Welchen Eindruck die Geschichte auf sie macht! Das hilft mir bei meiner Arbeit ungemein! Also, nochmals danke, danke, danke 🙂
    Und ja, ich hab mir nochmal so meine Gedanken gemacht über die Fortführung der Geschichte… Man kann also gespannt sein 😉

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