Das Beusch – Teil 7

Inhaltsverzeichnis

Als sie wieder hervor geklettert kam, jubelten die Einwohner von Oschatz Lara-Sophie freudig zu. Sie lächelte und winkte dabei. Sie konnte beobachten, wie sich Schläfrige Hüpfmeerschweinchen in weißen Kitteln dem verletzten Wesen annahmen und es von hier fort brachten.

Dann fing die versammelte Menge an, sich nach und nach aufzulösen. Die ersten gingen nach Hause, ein paar Wesen begannen schon mit den Aufräumarbeiten, andere standen in kleinen Grüppchen zusammen und unterhielten sich. Einige sahen dabei ziemlich seriös und wichtig aus, andere tratschten wohl nur.

Lara-Sophie war überrascht, dass sich die erste Aufregung anscheinend so schnell gelegt hatte.

„Passiert hier sowas öfter?“, fragte sie deshalb ihren Freund, der zum Glück auf sie gewartet hatte.

Dieser seufzte einmal. „In der letzten Zeit bebt es tatsächlich immer häufiger. Und die Beben werden immer heftiger, denn es stürzen immer mehr Häuser ein. Aber was uns besonders beunruhigt ist…“, es schaute sorgenvoll zur Stadtmitte, „…dass das Beben mit jedem Mal näher an unser Rathaus kommt. Es wäre fatal, wenn ihm etwas passieren würde!“ Es schüttelte sich. „Gar nicht auszudenken… Und niemand weiß, woher diese Beben kommen und wieso dabei unsere Gebäude einstürzen oder solche tiefen Löcher entstehen!“

Lara-Sophie nickte bedächtig und grübelte ein wenig, sie konnte aber auch nichts dazu sagen. Gerade überlegte sie, wieso denn das Einstürzen des Rathauses so sehr fatal wäre und sie wollte diese Frage gerade stellen, als auf einmal ganz viele aufgeregte Schläfrige Hüpfmeerschweinchen und auch ein paar Zwockelige Nichtsdestotrotze auf Lara-Sophie zugewackelt kamen. Sie sahen allesamt ziemlich wichtig aus, fand Lara-Sophie. Denn sie trugen ziemlich aufwändige und prunkvolle Kleidung aus bunt gemusterten Stoffen. Außerdem hielten sie ihre Schnäuzchen immer leicht nach oben, wie es wichtige Personen nunmal tun.

„Mädl!“, rief das Wesen, das ganz vorne lief. Es trug einen großen Zylinder, eine ausladende, rot, blau und gold gemusterte Schärpe, sowie weiße Gamaschen über den Pfötchen.

„Das ist ja unser Bürgermeister!“, rief Lara-Sophies Begleiter erstaunt aus. „Und der ganze Rat von Oschatz!“ Er pfiff anerkennend. „Sie müssen etwas ziemlich wichtiges von dir wollen…“

„Mädl“, rief er erneut. Jetzt stand er direkt vor ihr, „du bisn Held!“ Seine Augen glänzten ein wenig, als er dies sagte, und der Rat hinter ihm murmelte beifällig.

„Danke Herr Bürgermeister…“ Lara-Sophie lächelte und machte einen leichten Knicks.

„So ham wa beschlossn, dass du ma schaust, woher de Bebn kommn!“ Er strahlte triumphierend.

Lara-Sophie war sich nicht sicher, ob sie das Hüpfmeerschweinchen richtig verstanden hatte. Sie fragte deshalb noch einmal nach: „Ich soll heraus finden, wo die diese Erdbeben herkommen?“

„Jowoll!“

Jetzt sah sie doch ein wenig überrascht aus. „Also…“, fing sie an, „ich weiß ja nicht…“

„Ach, papperlapapp! Mir ham g’sehn, dass du muddisch und stark biß. Und helle! Mir vertraun dir völlisch!“

„Aber… ich…“

„Guggemadu“, meinte ein anderes Meerschweinchen aus dem Rat, „da isse ganz gwörlsch, se friemelt so an ihren Flossn und schaut ganz gähäßich drai!“

In der Tat hatte das Angebot Lara-Sophie ein wenig durcheinander gebracht. Wie stellen die sich das vor? Sie hatte doch gar keine Ahnung von Erdbeben! Woher sollte sie denn wissen, woher die kamen? Sie schaute unruhig umher und spielte nervös mit ihren Fingerchen.

„Aber… ich muss doch nach Hause!“, fiel ihr triumphierend ein. In der Tat hätte sie ja schon längst im Bett liegen müssen. Eigentlich wusste sie auch gar nicht, wie lange sie schon hier war. Vielleicht hatte ja auch bereits der nächste Morgen angefangen und ihre Eltern suchten schon nach ihr. Je mehr sie darüber nachdachte, desto sicherer war sie, dass sie jetzt unbedingt heim musste!

„Wie, du musst nach Hause?“ Ihr kleiner Freund sah sie fragend an, der Bürgermeister und der gesamte Rat von Oschatz schienen sehr schockiert. Sie rissen erstaunt die Äugelchen und die Schnäuzchen auf. Einem fiel sogar der Monokel herunter.

„Aber, mir brauchn disch!“

Doch die kleine Lara-Sophie schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, aber meine Eltern suchen mich sicher. Sie wissen gar nicht, dass ich fort bin!“

Die Hüpfmeerschweinchen sahen sich erschrocken an und wollten noch etwas entgegnen, aber Lara-Sophie war nun vollständig darauf fokussiert, jetzt unbedingt nach Hause zu müssen. Sie verabschiedete sich nur noch schnell bei allen Anwesenden und lief dann Richtung Ortsausgang.

Die Meerschweinchen riefen ihr noch etwas hinterher, aber sie ließ sich nicht beirren. Lara-Sophie sagte sich immer wieder, dass sie ja erst mal auf ihre Eltern hören muss. Und die würden sicher wollen, dass sie jetzt schläft. Gleichzeitig hatte sie auch ein wenig Angst, dass sie ihre Abwesenheit bemerkt hätten und sie deswegen Ärger bekommen würde. Ja, Lara-Sophie war sich immer sicherer, dass sie hier das Richtige tat!

Schon sah sie am Ende der Straße das Ortsschild, vor dem sie am Anfang gestanden hatte. Ihr Schritt beschleunigte sich. Jetzt müsste sie nur über den Regenbogen laufen, dann wäre sie schon wieder zu Hause!

——

Diesmal wollte ich es nicht versäumen, dem fetzigen Bastian von fonflatter zu danken, dass er maßgeblich zu der Idee zu diesem Werk beigetragen hat! Und so 🙂
Und natürlich bei allen anderen, die sie lesen und ihre Gedanken beitragen, so dass ich sie nicht schon vor drei Teilen beenden musste und eine Handlung folgen lassen konnte. Danke! Und bitte macht weiter so! 🙂

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6 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 7

  1. HEY – die darf jetzt nicht nach Hause!!
    (wobei ich mir natürlich ziemlich sicher bin, dass du die Hüpfmeerschweinchen nicht im Stich lassen willst – ich wollte dir nur mal wieder meine allererste, unverfälschte, subjektive Urreaktion mittteilen).

    Und mach mal selber weiter so … sonst erfahren wir nämlich nie, woher die Erdbeben kommen und warum es so schlimm ist, wenn das Rathaus einstürzt. Geht dann die ganze Kolonie flöten? So wie Atlantis oder so was?

    (aber deine anderen Geschichten schreien auch nach Fortsetzung, schnüff … na ja, bin ja dankbar, dass du nicht nur an deinen Geschichten hängst … 😉 )

    • Genau, sonst hätte ich ja keine Zeit für etwaige unsrige Kollaborationen. Beispielsweise ;-> Wobei mir mal ein weiser Mensch gesagt hat, dass es sogar Dinge geben soll, die noch wichtiger sind… Mh…
      Ich finde es gut, eine allererste, unverfälschte, subjektive Urreaktion zu bekommen! Und auch die Fragen, die du dir nun stellst. Danke 🙂
      Ich werde sie beantworten: Man kann gespannt sein… 😉

      • Naja, nachdem ich anfangs noch meinte, es käme düsterste Science Fiction, scheint das mit dem Überraschen ja doch zu funktionieren…
        Wenn die Geschichte fertig ist, werde ich sie mal beim abendlichen Vorlesen mit meinem Jüngsten testen (aber nicht vorher, Geschichten, die mittendrin aufhören, sind bei Fünfjährigen nicht beliebt)…
        Liebe Grüße, Andreas ( jetzt wird zurück kommentiert ;-))

    • Top!
      Dann werde ich mich umso mehr anstrengen, die Geschichte sowohl schnell, als auch interessant weiterzuführen und schließlich zu beenden. Der arme kleine soll ja nicht zu lange warten müssen 😉
      Ich habe sie auch letztens einer kleinen Freundin, sie müsste so 10 sein, bis hierhin vorgelesen. Sie fand sie anscheinend – nach eigenen Angaben – spannend. 🙂
      Und ja, ich fand es nur fair mir auch mal deine Seite anzuschauen und den einen oder anderen Kommentar dazulassen, wo du doch ein ziemlich treuer Leser und Kommentar-Abgeber hier bei mir bist bist. Danke nochmal dafür!
      🙂

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