Das Beusch – Teil 8

Inhaltsverzeichnis

Der Regenbogen…

Lara-Sophie hielt abrupt an. Sollte der Regenbogen nicht direkt hinter dem Ortsschild beginnen? Dort war sie schließlich auch bei ihrer Ankunft gelandet! Sie schaute sich um. Ja, sie befand sich in jedem Fall in der richtigen Straße und am richtigen Ortsschild. Aber der Regenbogen war weg!

Sie lief wieder los, aus der Stadt hinaus, schaute dabei aufgeregt in alle Richtungen, lief mal nach links, dann wieder mehr nach rechts. Doch nirgends war auch nur die Spur eines Funkelregenbogens.

Tausend Gedanken kamen ihr in den Sinn. War sie nun hier gefangen? Gab es keine Chance mehr, nach Hause zu gelangen? Was würden ihre Eltern sagen, wenn sie einfach weg wäre und nicht wieder kommen sollte? Tränen schossen der kleinen Lara-Sophie in die Augen. Sie gab die Suche auf, kniete sich nieder, senkte den Kopf und begann zu Schluchzen.

Unbemerkt hatten sich ihr Begleiter und der Rat von Oschatz von hinten genähert. Sie wollten ihr zuerst etwas zurufen, doch das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen mit der Krawatte  hielt sie zurück. Die Wesen  blieben in einiger Entfernung stehen und sahen sich hilflos an. Dann trippelte ihr Freund ein paar Schritte auf Lara-Sophie zu, hockte sich neben sie, schaute zu ihr hoch und wartete.

Lara-Sophie schluchzte noch ein bisschen, bis sie das Hüpfmeerschweinchen bemerkte. Sie schaute es nun direkt an. Nach einem weiteren Schluchzer wischte sie sich mit einer Hand die Tränen aus dem Gesicht und nickte schließlich.

„In Ordnung, ich helfe euch.“

———-

Das Meerschweinchen an ihrer Seite riss erstaunt die Augen auf und der Rat konnte ein freudiges, kollektives Pfeifen nicht verhindern.

„Wie… du hilfst uns?“

Sie nickte.

„Ja, aber… Wieso auf ein Mal? Du musstest doch so unbedingt nach Hause?“

Lara-Sophie zuckte hilflos mit den Achseln. „Das hat sich erledigt.“

Das Meerschweinchen sah sie noch eine Zeit lang fragend an, doch sie sagte nichts mehr dazu, sie schaute nur stumm gerade aus und  wirkte dabei wie abwesend. Schließlich raffte sie sich auf. „Also, was soll ich tun?“

Der Rat quiekte und zirpte ganz aufgeregt. Die Wesen raunten sich ein paar unverständliche Dinge zu, dann verschwanden sie zurück nach Oschatz und ließen Lara-Sophie einfach zurück. Dieses Verhalten machte das Mädchen leicht fassungslos.

Ihr kleiner Begleiter seufzte einmal. „Der Rat muss sich erst im Rathaus beraten. Vorher werden sie dir nichts sagen können. Es heißt also warten.“ Er stand auf. „Komm, wir gehen wieder in die Stadt, bis sie fertig sind.“

Lara-Sophie nickte langsam. Das Hüpfmeerschweinchen ging voran und sie folgte ihm. Und überlegte, wieso sie nun beschlossen hat, den Wesen doch zu helfen. Hatte sie überhaupt eine Chance herauszufinden, wo die Beben herkämen? Selbst wenn es so wäre, würde sie sicher nichts dagegen unternehmen können. Und außerdem wäre es doch weitaus vernünftiger, einen Weg zu finden, der sie wieder nach Hause bringt. Überhaupt, sollte sie den Meerschweinchen nicht besser ihre Situation erklären? Vielleicht würden sie ihr sogar helfen können. Eventuell wüssten sie sogar, wie man diesen Regenbogen wieder her holen kann. Oder ob es noch einen anderen Weg für sie gebe.

Weil sie so tief in ihre Gedanken vertieft war, fiel der kleinen Lara-Sophie erst nach und nach auf, wie die kleinen Wesen in der Stadt sie mit einem ehrfürchtig-respektvollen Blick anschauten. Viele verneigten sich leicht, um ihr ihre Ehrerbietung zu zeigen, andere pfiffen ihr freudig zu. Sie galt hier in der Stadt wohl wirklich schon als Held. Die Nachricht, dass sie ihnen bei ihrem großen Problem helfen wollte, hatte sich sicherlich in Nullkommanichts verbreitet. Und nun schaute die ganze Stadt vertrauensvoll zu ihr auf. Lara-Sophie hatte auf ein Mal ein ganz schlechtes Gewissen, weil sie eben noch einfach so abhauen wollte. Sie senkte beschämt den Blick.

Das Meerschweinchen hielt vor dem Rathaus und hockte sich hin. „So, dann bin ich mal gespannt, wie lange die brauchen werden…

Lara-Sophie folgte seinem Beispiel.

Und so saßen sie da und schauten auf das Rathaus.

Das Mädchen überlegte gerade, ob sie ihren Freund doch fragen sollte, wie man den Funkelregenbogen wieder herbeiholen könnte. Aber da kam schon ein Mitglied des Rates ganz aufgeregt aus dem Rathaus gelaufen. Es schaute sich kurz um und als es die beiden da hocken sah, kam es schnell auf sie zugewackelt und fing an, etwas zu erzählen. Lara-Sophie konnte das aber beim besten Willen nicht verstehen. Die Stimme des kleinen Wesens überschlug sich fast. Aber ihr kleiner Begleiter nickte immerzu brav und meinte schließlich, zu Lara-Sophie gewandt: „Du wartest am besten hier, bis ich wieder da bin. Ich soll kurz mit ins Rathaus kommen, dann kann ich dir gleich erzählen, was der Rat beschlossen hat.“

Lara-Sophie nickte, ihr blieb ja nichts anderes übrig. Dann war ihr Begleiter auch schon verschwunden.

Das Mädchen nutzte die Zeit, um sich ein wenig umzusehen. Sie saß vor dem Rathaus und direkt neben der Kirche auf einem kleinen Vorplatz. Der größere Platz mit dem Wahrzeichen müsste sich auf der anderen Seite des Rathauses befinden. Wenn sie hinter sich blickte, konnte sie fast gerade bis zum Rand der Stadt schauen. Und rechts von ihr standen auf der anderen Straßenseite mehrere Häuschen eng aneinandergereiht.

Sie schaute sich die Gebäude etwas genauer an. Lara-Sophie gefielen die hellen, freundlichen Farben der Häuschen. Sie waren allesamt in Weiß und in hellen Brauntönen gehalten und mit ganz hellroten Dächlein versehen. Die unteren Etagen des Rathauses zum Beispiel waren ganz weiß verputzt, bei den oberen konnte man wie bei einem Fachwerkhaus helle Holzbalken sehen. Lara-Sophie gefiel besonders die Kontur der Wand, die an den Dachrand grenzte. Sie war abgestuft und dabei spielerisch in mehreren Wellen gebogen und mit kleinen Spitzen versehen. Würde sie sich mit Begriffen aus der Architektur auskennen, wüsste sie, dass sie gerade einen Volutengiebel bewunderte. Dass sie es nicht wusste, hielt sie aber nicht im Geringsten davon ab, es ganz, ganz toll zu finden. Außerdem hatte das Rathaus auch noch ein hübsches, dazu passendes Türmchen mit einer Uhr.

Die kleine Kirche links von der kleinen Lara-Sophie passte genauso gut in das Dorfbild. Sie war auch in hellen, unaufdringlichen Farben gehalten. Von da aus, wo das Mädchen saß, konnte sie die zwei großen, spitzen Türmchen genauso gut sehen, wie die hohen, in einem spitzen Bogen zusammenlaufenden Fenster an den Seiten des Gebäudes. Und das hellrote Dach, dass die Kirche bedeckte.

Gerade wollte sie sich umdrehen und sich die restlichen Gebäude noch etwas näher anschauen, als ihr kleiner Freund, gefolgt von dem Bürgermeister und dem Rat, das Rathaus verließ und auf sie zugewackelt kam.

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6 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 8

  1. – eine Zeit lang fragend an, doch sie sagte nichts mehr dazu, sie schaute nur eine Zeit lang –> Wdh.
    – einen Weg zu finden, der sie wieder nach Hause bringt. –> nicht „einen Weg zu suchen“?

    (hey – du musst echt auf die Zeiten achten!)

    – Und so saßen sie da und schauten auf das Rathaus. –> herrlich! Ich versuch mir das grad vorzustellen: „kleines“ Hüpfmeerschweinchen neben „großem“ kleinem Mädchen auf der Treppe … macht die Story mit einem Mal total plastisch.

    Ansonsten bist du wunderhübsch in der Story drin – wackeln, pfeifen, quieken und zirpen usw.

    was den Vo-Dingsbums-Giebel betrifft, da kann ich Melmier nur zustimmen …

    • 1) danke 🙂
      2) die kleine Lara-Sophie ist optimistisch. Sie will nicht einfach nur suchen, denn das schließt die Möglichkeit des Nicht-findens ein 😉
      3) Zeiten… ARGH! Ich hab mir den Kram ja schon fünf Mal durchgelesen, aber die Zeiten… machen mich jedes Mal fertig!
      4) Zum Volutengiebel. ich denke, ich muss mal was dazu sagen.
      Ich habe mir angeschaut, wie Oschatz ausschaut. Wie das Rathaus ausschaut. Und dann versucht, das mit Kinderaugen zu schildern. Was mir aber sehr linkisch vorkam. Deshalb habe ich gegoogelt, wie der Fachbegriff zu dem Giebel heißt, und ihn erwähnt, damit der geneigte Leser das notfalls googeln kann, um ein genaues Bild zu haben, sodenn man daran interessiert ist.

  2. Was meinst du mit dem größeren „Platz mit dem Wahrzeichen“? Entweder ich habn black-out oder du hast wirklich noch nicht davon geschrieben … ???

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