Das Beusch – Teil 10

Inhaltsverzeichnis

„Kommst du?“, fragte er dann.

Dies riss Lara-Sophie aus ihren Träumereien. „Was? … Äh, ja…  ja!“ Sie raffte sich auf und ging weiter, jedoch immer mit einem Blick auf das Meer aus Sonnenuntergangswölkchen.

„Du, sag mal…“, fragte sie zögerlich, „was ist das hier eigentlich?“

„Was meinst du?“

„Diese Wölkchen…“

Das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen kicherte. „Wölkchen? Meinst du die Herde Wolliger Sonnenuntergangsschafe?“

Lara-Sophie riss die Augen auf. „Das sind Schafe?“

Sie schaute genauer hin, und tatsächlich, ab und an konnte man sehen, wie kleine Köpfchen, die übrigens jeweils ganz gelb, orange oder rot waren, immer wieder ganz kurz hervorschauten, nur um direkt wieder in der wollig-bunten Menge zu verschwinden.

„Wir haben Glück, dass sie genau hier weiden“, fuhr das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen fort, „dann können wir nämlich den Schäfer fragen, ob er was von den Erdbeben mitbekommen hat.“

Lara-Sophie stutzte. Einen Schäfer hatte sie bisher noch nicht gesehen.  Sie schaute sich ein wenig um, bis ihr Blick an einem Baum direkt vor ihnen hängen blieb. An diesem lehnte tatsächlich ein kleines Wesen. Es konnte vor dem hellbraunen Holz leicht übersehen werden, da es selbst dezent bräunlich gefärbt war. Mit einer Hand hielt er einen Schäferstab und auf dem Kopf trug es einen Schlapphut.

Lara-Sophie musterte das Wesen noch ein wenig, dann meinte sie: „Das ist ja ein Zwockeliges Nichtsdestotrotz!“

Ihr Begleiter schüttelte den Kopf. „Nein, nicht ganz. Das ist ein Verwandter der Zwockeligen Nichtsdestotrotze, ein Gemütliches Ebendeswegen.“

Sie näherten sich dem Wesen, dass immer noch genauso unbeweglich und tiefenentspannt da stand, wie vor wenigen Augenblicken. Auch, als es die beiden erblickte, bewegte es sich kaum, es drehte nur kurz den Kopf und ließ seinen Blick auf ihnen ruhen.

Nun standen die beiden vor ihm. Lara-Sophie und das Meerschweinchen tauschten kurz einen Blick, dann fing das kleine Wesen an, zu reden. „Guten Tag, liebes Gemütliches Ebendeswegen“, sagte es, „heute ist ein wundervoller Tag, nicht wahr?“

„Oh ja“, es schaute versonnen über seine Herde, „ebendeswegen kann ich meine Sonnenuntergangsschafe hier schon den ganzen Tag weiden lassen. Genauso wie die letzten Tage auch schon.“

Das Meerschweinchen folgte seinem Blick. „Sie sehen sehr zufrieden aus.“

„In der Tat, das sind sie. Ebendeswegen haben sie in dieser Saison auch ein unvergleichlich wolliges und leuchtendes Fell.“

Lara-Sophies Begleiter nickte erneut. „Das freut mich. Aber, wir beiden wollten uns gerne noch über etwas gänzlich anderes erkundigen. Bei uns im Oschatz hat es nämlich die letzte Zeit heftige Erdbeben gegeben. Hast du auf deinen Wanderungen eventuell etwas davon mitbekommen?“

Das Wesen kniff die Augen zu einem schmalen Spalt zusammen und schaute in die Ferne, und das minutenlang. Jedenfalls kam es Lara-Sophie so vor. Schließlich meinte es: „Erdbeben, sagt ihr. Ja, ich entsinne mich. Ebendeswegen musste ich letztens einen gewaltigen Umweg gehen. Vor einigen Wochen bemerkte ich nämlich auch ein nicht zu unterschätzendes Ruckeln und nur wenige Tage danach kam ich an einer Ebene vorbei, die komplett verwüstet war. Der Boden war aufgerissen und teilweise eingestürzt, überall klafften gewaltige Löcher. Normalerweise hätte ich meine Schafe dort geweidet, doch das war zu riskant. Ebendeswegen musste ich einen anderen Weg finden und direkt zur nächsten Ebene wandern.“ Es schaute die beiden an.

„Vielen Dank, liebes Gemütliches Ebendeswegen. Du hast uns schon sehr geholfen! Kannst du uns nun noch sagen, wo sich diese Ebene befindet?“

Wieder kniff es die Augen leicht zusammen und ließ seinen Blick erst über seine Herde, dann über den Horizont schweifen. „Ja, das kann ich.“ Es hob seinen Arm und deutete mit seinem Stab in eine Richtung. „Wenn ihr genau in diese Richtung lauft, werdet ihr sicherlich in einem Tag dort ankommen.“ Das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen wollte sich schon bedanken und weiter gehen, aber das Gemütliche Ebendeswegen fügte noch einen Satz hinzu. „Vielleicht wäre es besser, ihr beide würdet erst morgen weiter gehen. Es wird in wenigen Stunden dunkel und bis zur Ebene werdet ihr keine Möglichkeit mehr finden, irgendwo unter zu kommen. Ebendeswegen sollt ihr heute meine Gäste sein.“ Damit zeigte es mit seinem Stab erneut in eine Richtung. Dort stand ein kleiner, hölzerner Wagen, der wohl sein zu Hause darstellte.

Nur etwas später saßen die drei um ein wohliges Lagerfeuer, schauten der Sonne beim Untergehen zu und aßen derweil diverse Kekse und ein paar Fluffelknuffel. Die Wärme des Feuers verbunden mit dem annehmen Leuchten der Sonnenuntergangsschafe und des echten Sonnenuntergangs kreierte eine angenehm entspannte Atmosphäre. Dazu vernahm man kaum ein Geräusch, außer einem leisen Blöken ab und an und dem zarten Rauschen der Blätter und Gräser in dem kaum wahrnehmbaren Wind. So kam es, dass die drei so gut wie kein Wort wechselten und sehr schnell sehr schläfrig wurden. Schließlich verabschiedete sich das Gemütliche Ebendeswegen und verschwand in seinem Wagen und auch die kleine Lara-Sophie und ihr Gefährte rollten sich mit einem Gefühl tiefster Wohligkeit zusammen und entschwanden augenblicklich im Land der Träume.

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4 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 10

  1. „ein Verwandter der Zwockeligen Nichtsdestotrotze, ein Gemütliches Ebendeswegen” – ich lach mich tot. Du legst es echt drauf an, mich unter die Erde zu lachen, oder?
    Das ist gut, das ist sehr gut, das ist einmalig!!!

    Es hob seinen Arm und deutete mit seinem Stock … –> Hirten haben Stäbe, keine Stöcke

    ooohhhhhhhhhhhhhhh – schön!!! Sanft und lieblich … einlullend. Bin ja mal gespannt, auf welche Weise du den Leser wieder in einen anderen Leserhythmus versetzen willst, unmerklich oder abrupt, lockerflock oder krass … ?

  2. Eigentlich müsste das jetzt die idyllische Verschnaufpause sein, bevor Lara-Sophie sich der wirklichen Gefahr stellen muss (es sei denn, die Autorin mag ihrer Heldin keinen weiteren Ärger zumuten – das wäre aber schade).
    Liebe Grüße,

    Andreas

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