Das Beusch – Teil 11

Inhaltsverzeichnis

Als sie am nächsten Morgen aufwachten, fühlte sie das Mädchen so fit und ausgeschlafen, wie lange nicht mehr. Sie war richtig gut gelaunt und nach einem ausgiebigen Keks-Frühstück mehr als hoch motiviert, weiter zu ziehen. Sie und ihr Begleiter verabschiedeten sich noch höflich bei dem Gemütlichen Ebendeswegen, dann zogen sie weiter in die Richtung, die es ihnen angezeigt hatte.

Lange noch erhellte das Leuchten der Sonnenuntergangsschafherde die Natur und hüllte die Welt in warme Orangetöne, die einem Jeden das wunderbare Gefühl von Geborgenheit und Zufriedenheit vermittelt hätte. So trippelte das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen freudig trillernd neben einer schwungvoll tänzelnden Lara-Sophie her. „Eure Welt ist so wundervoll“, rief sie vergnügt und drehte ein um die andere Pirouette. Ihr Begleiter konnte ihr nur immerzu zustimmen und fing langsam auch an, kleine Freudenhopser zu machen.

Nach und nach verblasste das Leuchten der Herde. Mit jedem Schritt wurde die Welt etwas weniger orange und näherte sich stückweise wieder ihrem normal-bunten Zustand. Gleichzeitig nahm auch die Beschwingtheit der beiden Reisenden immer mehr ab, schließlich macht so ein langer Marsch auch etwas müde. So wurden Lara-Sophies Ausrufe seltener und ihr Schritt ruhiger, auch ihr Begleiter stellte sein Hopsen ein. Spätestens gegen Mittag war alles wieder normal. Die beiden waren schon eine Weile still nebeneinander hergelaufen und beschlossen nun, kurz zu rasten, um ein paar Kekse zu mampfen und neue Kraft zu tanken. Während dem Essen hatten sie sich nicht viel zu sagen. Lara-Sophie plädierte nur noch auf ein kleines Mittagsschläfchen, welches ihr ihr Begleiter gerne gewährte, bevor sie weiter wanderten.

Am Nachmittag zogen ein paar dünne Wölkchen auf und der Wind wurde stärker. Zum ersten Mal nahm Lara-Sophie bewusst wahr, dass es hier überhaupt richtigen Wind gab. Sie musste zugeben, dass es sie in ihrem Pyjama ein wenig fröstelte. Sie zog ihre Schultern zusammen und schlang so die Arme um sich, dass sie mit ihren Händen ihre Oberarme warmreiben konnte. Dabei schaute sie sich schüchtern um.

Das Mädchen hatte auch das Gefühl, dass sich die Landschaft unmerklich verändert hatte. Sie konnte nicht mit Gewissheit sagen, wie. Es schien ihr aber, als wären die Hügel ein wenig höher geworden, das Glitzern etwas stumpfer und die Farben ein bisschen kälter. Lara-Sophie fröstelte es erneut.

Ihr kamen nun auch wieder ernste Bedenken an ihrem Vorhaben. Immer mehr beschlich sie das Gefühl, dass sie sich hier auf etwas eingelassen hat, was eine Nummer zu groß für sie werden würde. Ein immer größer werdendes Unwohlsein bemächtigte sich ihrer. Ach, wenn sie doch nie über diesen Regenbogen gelaufen wäre! Wenn sie doch jetzt nur zu Hause sein könnte, bei ihrer Mama und ihrem Papa!

„Halt!“, rief das Schläfrige Hüpfmeerscheinchen. Sie blieb abrupt stehen. Das kleine Wesen stand ein paar Schritte hinter ihr, mit weit aufgerissenen Augen. Als Lara-Sophie nach vorne schaute, wurde ihr schwindelig. Sie stand direkt an einer Klippe, die viele Meter steil in ein großes Tal abfiel. In das Tal, von dem das Gemütliche Ebendeswegen erzählt hatte. Und es hatte nicht übertrieben. Die Ebene wurde beherrscht von dem dunklen Braun der  Risse und der Löcher, nur vereinzelt sah man noch helle, glitzernde Grasbüschel. Die zwei, drei Bäume, die hier wuchsen, waren umgefallen oder hingen bedenklich schief. Ihr Holz war gesplittert und ihre Wurzeln ragten geisterhaft aus der Erde. Ab und an bewegten sie sich im Wind und knarrten dabei. Nun schien sich der Himmel auch das erste Mal seit Lara-Sophies Ankunft mit Wolken zu bedecken, denn vereinzelt liefen Schatten über die eingerissene Landschaft.

Dem Mädchen fröstelte es erneut. Dann merkte sie, wie sich ein dicker, schwerer Kloß in ihrem Hals bildete. „Müssen wir da jetzt runter?“ Ihre Stimme zitterte, sie klang dünn, zerbrechlich, ja furchtsam.

Als sie es schaffte den Blick von dem Szenario vor sich abzuwenden und ihren Begleiter anzuschauen merkte sie, dass er ebenso erstarrt war sie sie. Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis er antwortete: „Es wird uns nichts anderes übrig bleiben.“

Dann raffte er sich auf. Das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen blickte sich schnell um, lief ein paar Meter in die eine, ein paar in die andere Richtung und blieb schließlich stehen. Es schaute noch einmal mit einem fachmännischen Blick hinab, dann meinte es: „Hier an dieser Stelle können wir problemlos hinunter gehen. Kommst du?“

—–

Ich habe geschaut und festgestellt dass dieser Teil fast schon fertig war. Ich hab mir dann die Zeit genommen, die ganze Geschichte noch ein Mal komplett durch zu lesen – was zum Einen relativ schnell ging und zum Anderen auch Spaß machte (ich schreibe anscheinend so, dass ich es selbst interessant zu lesen finde, bloß der erste Teil zog sich ein wenig) – und noch ein, zwei Absätze dran zu hängen, so dass der Part lang genug zum Posten ist.
Dann mal schauen, wann ich die Zeit finde, einen weiteren Teil fertig zu stellen, ich hoffe in absehbarer Zeit!
Ansonsten bedanke ich mich bei allen, die trotz meiner Abwesenheit immer wieder mal vorbeischauen! 🙂

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3 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 11

  1. Den Stimmungsumschwang malst du wunderhübsch aus – aber deine Sätze sind ein bisschen holperig an manchen Stellen, finde ich. Aber vom Inhalt: Gefällt mir 🙂 Wer den Leser mit auf eine Reise nimmt (und das machen alle Autoren), muss ihm auch etwas bieten, und das tust du definitiv 🙂

    Aber da erzähl ich dir nix neues, oder 😛

  2. Ah, prima. Vielen Dank für die Fortsetzung. Ich mag die gesplitterten Bäume und den Wechsel der Farben und des Ambientes. Diesmal hatte ich beim Lesen eine sehr filmische Vorstellung des Geschehens (was bei mir eher selten ist). Ich bin mal gespannt, wen oder was Lara-Sophie in der Schlucht findet.. (wenn ich die Augen schließe, sehe ich es…brrrrr)
    Weiter so!
    Bei diesem Teil hatte ich das Gefühl, dass nochmaliges Korrekturlesen gut tun würde. Aber das liegt sicher daran, dass dich ungeduldige Leser zur schnellen Veröffentlichung gedrängt haben.
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Andreas

    • Danke für dein Feed-Back!
      Dass du alles filmisch vor Augen siehst finde ich sehr gut, ich schreibe oft mit dieser Intention bzw. stelle ich mir die Szene filmisch vor und schreibe dann alles auf. Ich finde es grundsätzlich einfach toll,mit Worten zu malen.
      Dass der Teil noch etwas holprig ist mag auch daran liegen, dass ich aus meiner Routine raus bin. Zwei Monate Pause ist ne lange Zeit. Hab dann, wenn ich Zeit hatte, eher mal gelesen, als zu schreiben. Da kommt man dann auch mal raus.
      Aber dafür habe ich ja auch hier die Seite, um mir die Intelligenz der Gruppe zunutze zu machen um mich zu verbessern!
      Glg, Andraika

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