Das Beusch – Teil 12

Inhaltsverzeichnis

In der Tat befand sich an dieser Stelle wohl eine Art Weg, den sicher auch der Schäfer mit seiner Herde genommen hätte. Er war nicht gut zu erkennen, hier war wohl schon länger niemand mehr entlang gegangen. Außerdem war er relativ steil. Die Beiden mussten aufpassen, dass sie nicht ausrutschten und stiegen deshalb sehr langsam und vorsichtig hinab.

Unten angekommen starrten sie ehrfürchtig auf die zerstörte Landschaft. Dann blickten sie einander an. Lara-Sophie sprach als erstes aus, was beide dachten. „Und nun?“

Das schläfrige Hüpfmeerschweinchen zuckte mit den Schultern, soweit es dies als Vierbeiner konnte, und meinte bloß: „Nun, eigentlich ist das hier ja deine Mission. Du müsstest dir überlegen, was wir jetzt tun sollten.“

Das Mädchen legte den Kopf schief. „Vielleicht sollten wir uns die Ebene näher anschauen. Möglicherweise finden wir, wenn wir die Risse genau unter die Lupe nehmen, einen Hinweis auf die Erdbeben.“

Ihr Begleiter nickte kurz. Er ging ein paar Schritte auf einen der vielen Brüche im Boden zu.

Lara-Sophie beobachtete ihn gespannt. Gerade wollte sie ihm folgen, da fiel ein Schatten auf ihr Gesicht. Sie stutzte. Sofort war der Schatten wieder weg. Es folge ein heiserer Schrei.

Das Geräusch hallte wieder und wieder durch das leblose Tal. Es klang kalt und rau, hatte etwas von einem heiseren Krächzen und schnitt sich tief durch Mark und Bein. Das Mädchen bekam eine Gänsehaut, die in Windeseile vom Scheitel bis zur Sohle wanderte. Sie schaute sich um entdeckte zwei riesige, schwarze Schatten, die immerzu über die Ebene wanderten. Erneut ertönte dieser Schrei. Lara-Sophie blickte nach oben.

Sie sah zwei riesige Silhouetten. Es mussten Vögel sein, jedoch hatte das Mädchen noch nie welche gesehen, die so groß waren! Diese Wesen dort oben am Himmel waren mit Sicherheit größer als sie selbst!

Die Vögel krächzten erneut und rissen Lara-Sophie aus ihrer Starre. Das Meerschweinchen! Diese Wesen würden es sicher schlagen wollen. Sie musste ihren kleinen Freund sofort hier fort bringen!

Lara-Sophie schaute in die Richtung, in die er gegangen war. Er war weg.

Sie öffnete ihren Mund, um seinen Namen zu rufen und ihr wurde auf einmal bewusst, dass sie den gar nicht kannte. Hatten die Wesen hier überhaupt Namen? Wie sollte sie den Kleinen jetzt rufen? Wie ihn finden?

Sie lief ein paar Schritte in die Richtung, in der er zunächst verschwunden war und blickte sich dabei um. Doch dann stoppte sie sofort. Mit jedem Schritt schien der Boden mehr einzusinken und kleine Risse zu bilden. Ja, jetzt merkte sie auch, wie an jeder Kante die Erde abbröckelte, wie die vorhandenen Risse sich minutiös vergrößerten und neue, kleinere Risse entstanden. Dies geschah jedoch so langsam und unmerklich, dass es ihr bisher nicht aufgefallen war. Es war absolut unmöglich zu sagen, wie lange der Boden das Mädchen noch halten würde. Ob er überhaupt noch irgendetwas tragen konnte. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er unter seiner Eigenlast zusammenbrechen würde. Die ganze Ebene war eine tickende Zeitbombe!

Dann ertönte ein weiterer Schrei. Wieder dieser Schatten auf ihrem Gesicht. Sie blickte auf. Und schrie.

Sie sah nur ein Paar messerscharfer Krallen, die von Sekunde zu Sekunde näher kamen, genau auf sie zu kommen. Ohne nachzudenken lief sie los, doch schon nach drei Schritten gab der Boden nach, sie ruderte mit den Armen und wich zur Seite aus, um nicht einzukrachen. Jetzt spürte das Mädchen die Luftwirbel, die von den kräftigen Schwingen der Vögel herrühren, ganz dicht hinter sich. Gleichzeitig traf sie unvermittelt ein stechender, beißender Geruch, der sie kurz schwindeln ließ. In Panik lief sie ohne zu überlegen gerade aus, wieder gab der Boden nach, sie vernahm noch ein heiseres Krächzen, dann zog die Schwerkraft mit aller Macht an ihren Knöcheln und riss sie mit einer Ladung Erde und Steinen in die Tiefe. Nur Momente später spürte sie einen kräftigen Ruck, einen Schmerz, dann war alles schwarz.

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7 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 12

    • Das ist überhaupt gar kein Problem, dass dies bisher noch nicht geschah 😉
      Es hat sicher auch Vorteile, alles am Stück zu lesen! Du kannst dann auch gerne Feed-Back dazu geben, wie sich das so im Fluss lesen lässt, ob die „Häppchen“ auch als „Ganzes“ wirken.
      Was hat jetzt eigentlich den Ausschlag gegeben, dass du’s lesen wirst?

      • Ich wollte schon länger, aber auf Grund eines bedeutenden Projekts, dass ich aber noch nicht an die große Glocke hängen kann, bin ich bislang nicht dazu gekommen. Näheres mal bei FB oder so per PN… 🙂

      • Ich kann auch, wie die restliche Menschheit, warten bis es an die große Glocke gehängt werden kann, musst mir keine Extrawurst braten 😉
        Ansonsten hindere ich dich aber auch nicht, mich zu informieren. Fühl dich frei 🙂

    • Ich bin ja ehrlich gesagt selbst überrascht wie interessant sich die Geschichte entwickelt 😉
      Und auch ein wenig gespannt wie’s weiter geht…
      (Ich weiß ja nicht, ob das richtig ist, dass es einem „Autor“ so ergeht, aber nun ja…)

      • Goldrichtig!!!

        Das ist ja das schöne am Schreiben – dass man selbst keine Ahnung hat, wohin die eigene Phantasie einen entführt!
        Finde ich … 🙂

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