Das Beusch – Teil 16

Inhaltsverzeichnis

Es verging eine lange Zeit, in der Lara-Sophie immer wieder mal ein paar Runden ging, sich wieder hin hockte, aber nur um unruhig hin und her zu wippen und doch irgendwann wieder aufzustehen und im Raum umherzugehen. Doch egal was sie machte, die Zeit zog sich wie Kaugummi und nichts änderte sich. Draußen wuselten die Wesen genauso umher wie zuvor, auch die beiden großen Bewacher vor der Tür standen da, als hätten sie nie etwas anderes getan und werden auch niemals etwas anderes tun wollen. Und in Lara-Sophies Höhle war sowieso nichts und niemand, als nur sie selbst.

Also tat sie das einzige, was ihr blieb. Nachdenken.

Hatte sie eine Möglichkeit hier wieder raus zu kommen?

Lara-Sophie beschloss noch ein Mal durchzugehen, wie sie überhaupt hier rein gekommen war.

Sie war auf der zerstörten Ebene in die Höhle gefallen, eingeschlafen und gefunden worden. Von diesem Olifaktorischen Erdschaufler und seinen Helfershelfern, die anscheinend nach einem Schatz suchen, um ihre Stadt auszubessern. Und zu der Ebene war sie gelaufen, weil sie mit ihrem Freund, dem Schläfrigen Hüpfmeerschweinchen, das hochdeutsch sprach, dorthin unterwegs war. Weil die beiden nach der Quelle der Erdbeben suchen sollten, die Oschatz und deren Bewohner bedrohten.

Lara-Sophie seufzte und schaute traurig zu Boden. Ihr tat es so leid um die kleinen Hüpfmeerschweinchen. Um ihren kleinen Freund, den sie verloren hatte. Ob es ihm gut ging? Aber auch um all die anderen kleinen Wesen aus Oschatz, die all ihre Hoffnung auf Lara-Sophie setzten und nun so sehr enttäuscht wurden. Sie konnte anscheinend nichts tun um deren Stadt und ihr Rathaus zu schützen. Sie konnte ja im Moment noch nicht einmal etwas für sich selbst tun!

Ach je, ob sie jemals wieder hier raus kommen würde?

Ein lauter Knall schreckte sie aus ihren Gedanken auf. Es folgten eine Handvoll weiterer Knalle dicht aufeinander. Die letzten verebbten langsam in der Stille.

Nur einen Moment, dann folgte ein Brummen, ein lautes Grummeln, das sich fortpflanzte und ein Krachen mit sich brachte. Dann bebte der Untergrund.

Lara-Sophie schaukelte von einem Fuß auf den anderen. Sie versuchte sich an der Wand abzustützen. Und spürte, wie diese bröckelte. Genauso wie die Decke über ihr. Mit weit aufgerissenen Augen blickte das Mädchen umher, rannte dann nach vorn zu den beiden Wachen.

„Lasst mich raus!“, rief sie panisch. Gerade wollte sie zwischen den beiden hindurch laufen, da hielt sie einer an der Schulter fest. „Dir passiert nichts.“ Die Stimme klang sehr tief, rau und bestimmt. Er blickte sie nicht an. „Geh wieder in die Höhle.“

Das Mädchen traute ihren Ohren nicht. Da wieder rein? „Aber…“, stammelte sie, „wenn es weiter so bebt, werde ich lebendig begraben!“

Die beiden Wachen grunzten kurz. „Keine Sorge, unsere Sprengungen gehen geplant vonstatten. Es stürzt nur das ein, was einstürzen soll. Geh zurück.“

Einen Moment war sie erleichtert. Dann riss sie erneut die Augen auf. „Das heißt… IHR…“ – ihr Blick fiel plötzlich auf etwas Erstaunliches. Das Mädchen hob augenblicklich den Arm, zeigte nach vorne und schrie: „Den kenne ich!“

In ihrem Blickfeld liefen die beiden Ebendeswegen die sie bereits gefunden hatten. Sie trugen erneut eine Bahre, auf der ein Wesen lag – es war ihr Freund.

Lara-Sophie preschte mit aller Kraft nach vorn, doch für das fremde Wesen, das sie hielt, bedeutete es keine Anstrengung, sie fest zu halten. Im Gegenteil, langsam schob er sie wieder zurück in ihre Höhle. „Bleib wo du bist und warte bis der Olifaktorische Erdschaufler weitere Anweisungen gibt!“ Diesmal hatte er sich tatsächlich umgedreht und funkelte sie eindringlich mit seinen schwarzen Augen an. Lara-Sophie durchfuhr ein Schauer. Sie wollte lieber tun, was ihr Bewacher sagte.

Aber zumindest konnte sie nun sicher sein, dass ihr Freund lebte. Also, zumindest lag er nicht alleine in einem dunklen Gang oder wurde von diesen großen Vögeln gejagt. Aber besonders gesund sah er auch nicht aus… Sein Fell hatte jetzt eine sehr stumpfe, graue Farbe. Das Leuchten war weg. Er lag regungslos auf der Seite und sah verwundet aus.

Ach, wie gerne würde sie jetzt zu ihm gehen und schauen wie es ihm ging! Aber das war nun leider unmöglich. Lara-Sophie schaute hinüber zu ihren Bewachern.

„Geht zur Seite, lasst mich rein!“, vernahm sie in dem Moment eine Stimme. Es war die des Erdschauflers.

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2 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 16

    • Das ist aber nett, dass du immer noch regelmäßig vorbei schaust und an meine Story denkst – das gibt mir auch immer wieder eine Motivation weiter zu schreiben!
      Und ja, jetzt wird der Fragenkatalog langsam abgearbeitet.
      (wurde aber auch Zeit…)

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