Das Beusch – Teil 19

Inhaltsverzeichnis

Schweigend liefen die vier ungleichen Wesen auf die Stadt zu. Während Lara-Sophie vor Freude nur so strahlte, konnte man es ihren Begleitern ansehen, wie verwirrt und beunruhigt sie waren. Nicht im Entferntesten hätten sie damit gerechnet, ein Zeichen von intelligentem Leben oberhalb des Erdbodens zu sehen. Und jetzt gingen sie auch noch schnurstracks darauf zu. Immer wieder schüttelten sie den Kopf, als wollten sie nicht wahrhaben, dass der Erdschaufler so eine lebensgefährliche Verrücktheit von ihnen verlangt hatte. Oder wie um ihre Furcht abzuschütteln. Und tatsächlich gab es immer wieder Momente, wo sie ein wenig aufrechter und fester geradeaus schritten. Doch im nächsten Moment wurde der Gang von Lara-Sophies Begleitern doch wieder zaghafter. Immer wieder wurde ihnen bewusst, dass sie mit einem ihnen fremden Wesen in einer ihnen fremden Welt auf eine ihnen fremde Zivilisation zugingen.

Kaum waren sie bis auf Rufweite an die Stadt heran gekommen, so wurden auch schon die ersten Wesen auf sie aufmerksam.

„Des isch ja des Mädle!“, hörte man es rufen. Und nur einen Augenblick später waren die vier umringt von einer quietschenden, gurrenden Menge. Einer wollte den anderen übertönen, die kleine Lara-Sophie sehen, sie fragen was sie herausgefunden hatte. Doch in dem bunten Gewusel ging der Einzelne unter, das Mädchen konnte nicht anders als verwirrt, aber doch freudig strahlend auf die wogende, schillernde Masse kleiner Wesen blicken.

Und ihren Begleitern ging es nicht anders. Sie waren jetzt vollends unfähig, ihr Erstaunen zu verbergen. Diese Wesen hier waren ganz so ähnlich wie ihre Freunde, Nachbarn und Kollegen. Bloß viel bunter, glänzender, lauter und lebhafter. Aber kein einziges sah aus wie das Wesen, welches sich als Mädchen vorgestellt hatte. Als Lara-Sophie.

Und als wenn das nicht genug gewesen wäre, öffnete sich die Menge wie von Geisterhand und bildete eine Gasse. Langsam und würdevoll sah man einen Trupp Hüpfmeerschweinchen und Zwockeliger Nichtsdestotrotze auf den Grund des Auflaufs zuwackeln. Allem voran das Wesen mit dem großen Zylinder, der ausladenden, rot, blau und gold gemusterte Schärpe, und den weißen Gamaschen – es waren der Bürgermeister und seine Beigeordneten.

Lara-Sophie fand zuerst Ihre Besinnung wieder und – nachdem auf ein Fiepen des Bürgermeisters alle Bewohner von Oschatz verstummten – legte sie einen ausführlichen Bericht ihrer Erlebnisse vor.

Die Bewohner von Oschatz hingen förmlich an ihren Lippen. Bei ihrer farbenfroh-verträumten Schilderung der Herde Wolliger Sonnenuntergangsschafe und ihres Hirten fielen die drei Wesen aus der unterirdischen Welt in eine Art verträumte Ekstase. Aber auch diejenigen, die von der Existenz dieser Wesen lange wussten und ihren Anblick gut kannten waren überwältigt von all der Begeisterung, die in Lara-Sophies Worten mitschwang. Mit jedem Ausdruck, den das Mädchen fand, um ihre überschwänglichen Empfindungen zu beschreiben, ging ein wohliges Gurren durch die Menge

Doch plötzlich verfinsterte sich Lara-Sophies Blick und ihre Stimme wurde eindringlich, als sie von der geisterhaften Ebene berichten musste, die so im Wiederspruch zu der farbenfrohen Welt stand, die die Bewohner von Oschatz gewohnt waren. Als sie mit immer düstereren Worten über die schemenhaft herausragenden Wurzeln der toten Bäume und die harten Risse im dunklen Boden berichtete, erschauderte die Menge vor ihr. Dann nahm ihr Bericht an Tempo auf, als sie zu ihrer Flucht vor den Vögeln kam, zu dem Verschwinden ihres Freundes und den Sturz in die tiefe Grube.

In der Pause, die Lara-Sophie machte, um zu Atem zu kommen, wagte keiner auch nur einen Mucks zu machen. Auch die drei Begleiter des Mädchens schienen ihre Aufgabe vergessen zu haben und hatten denselben, neugierig-forschenden Blick, wie jeder andere auch. Es war, als schrie die Stille: „Und dann?“

Dann berichtete sie von der fremden Welt unter der Erde. Wie die Wesen sie erst festhielten, wie sie ihren Freund fanden und versorgten. Dass es ihm wieder gut geht, er aber als Pfand noch festgehalten wird. An dieser Stelle atmete die Menge das erste Mal erleichtert auf.

Das Mädchen beschrieb die Wesen, die sie dort gesehen hatte. Die Arbeit, die sie verrichteten. Wie das alles auf sie gewirkt hatte, die Atmosphäre, die Stimmung, die Geräusche. Für die Bewohner von Oschatz eröffnete sich eine ganz neue Welt und viele sprachen durcheinander, wie so etwas sein kann. Wie Verwandte von ihnen unter der Erde leben können. Wie überhaupt irgendjemand unter der Erde in Höhlen leben kann. Um tagaus, tagein nichts anderes zu tun, als auf einem Gerüst zu stehen und Gestein abzutragen. Und auch die drei Bewohner dieser Welt sahen ihr Zuhause durch Lara-Sophies Schilderungen aus einer Perspektive und einem Licht, durch dass es ihnen ganz neu und fremd vorkam.

Dann kam sie zu den Sprengungen. Beim Schildern des heftigen Bebens zuckten alle unwillkürlich zusammen und sahen sich hilfesuchend nach einem Unterschlupf um.

Doch schon im nächsten Moment begriffen sie, worauf das Mädchen hinaus wollte: Durch genau diese Sprengungen entstanden die Risse, die Einstürze, die Panik! Sofort fiepten und pfiffen alle wild durcheinander und drängten näher an die drei Fremden, die nun auch begriffen. Aus Angst, jetzt ginge es ihnen an den Kragen, rückten sie sofort enger zusammen.

Auf ein schrilles Pfeifen des Bürgermeisters kamen alle wieder zur Ruhe. Lange blickte er die immer noch aufgebrachte Menge an, dann die drei Begleiter des Mädchens.

„Ich glohnbn, mir müsse babbele.“

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Wie versprochen geht es weiter.

Ich hatte zuletzt Zeit, ein paar weitere Abschnitte vorzuformulieren und sogar das grobe Gerüst bis zum Ende der Geschichte in Worte zu fassen. Es ist also Hoffnung auf ein Silberstreif am Horizont vorhanden!

Vielen dank an alle, die bei mir reinschauen und sich freuen, dass es weiter geht!

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2 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 19

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