Das Beusch – Teil 20

Inhaltsverzeichnis

Während sich die Würdenträger mit den Fremden zurückzogen, kümmerten sich die Bewohner von Oschatz um die kleine Lara-Sophie. Sie wurde von der Menge aufgeregter Wesen fortgespült und im nächsten Moment saß sie vor einem der vielen Keks-Cafés. Bevor sie etwas sagen konnte, wurden ihr schon die köstlichsten Delikatessen von Oschatz serviert, mit dem eindringlichen Hinweis, dass es sie absolut nichts kosten würde. Allein ihre Anwesenheit wäre schon die größte Ehre für den Besitzer.

Und dann verbrachte sie Stunde um Stunde damit, ihre Geschichte wieder und wieder zu erzählen. Immer wieder kamen Schläfrige Hüpfmeerschweinchen, Gelbgelbe Blütenwusel und auch einige Zwockelige Nichtsdestotrotze die noch gar nicht oder nur aus zweiter Hand erfahren hatten, was passiert war. Und andere stellten ständig neue Fragen und wollten noch viel genauer wissen, was das Mädchen alles gesehen hatte und wie sie sich dabei gefühlt hatte. Wieder andere standen einfach die ganze Zeit dabei und hörten sich die Geschichte ein uns andere Mal voller Erstaunen an.

Und ständig wurde der kleinen Lara-Sophie versichert, wie dankbar jeder einzelne war, dass sie so viel für die Bewohner von Oschatz getan hatte.

Stunde um Stunde ging es so, bis in die Abenddämmerung hinein. Und als es langsam dunkel wurde, kamen auch die Bewohner von Oschatz immer mehr zur Ruhe. Die Zahl der Bewohner,  die sich entfernten wurde langsam größer als die derjenigen, die neu hinzukamen. Bis sich der Volksauflauf um das Keks-Café, in dem Lara-Sophie saß, aufgelöst hatte.

Zum ersten Mal konnte sich das Mädchen nun entspannt zurück lehnen und all das, was die letzten Tage passiert war für sich verarbeiten. Jetzt merkte sie auch, wie furchtbar müde sie inzwischen geworden war. Lara-Sophie schloss kurz die Augen, streckte sich aus Leibeskräften und gähnte so intensiv, wie sie es wohl noch nie zuvor getan hatte.

Nachdem sie sich noch einmal intensiv die Äugelein gerieben hatte, öffnete sie sie wieder. Und bemerkte, dass jemand an ihrem Tisch saß. Sie legte den Kopf schief und blinzelte. Dann erkannte sie ihn: „Du?! Aber wie…? Wann…?“ Im gleichen Moment war sie auch schon um den Tisch gelaufen und nahm ihren Freund stürmisch in die Arme. Dieser rieb freudig sein Köpfen in ihren und quiekte ganz vergnügt.

—–

Während sie durch die spärlich belichteten Gassen von Oschatz spazierten, erzählte das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen seiner Freundin, der kleinen Lara-Sophie, was er erlebt hatte, nachdem sie weg gegangen war. Für sie war es eine willkommene Abwechslung, mal die zu sein, die stumm zuhörte.

„Also grundsätzlich hatte ich in meiner kleinen Zelle nicht viel mitbekommen“, fing er an, „und ich muss auch recht lange noch geschlafen haben. Irgendwann stieß mich einer der Wachen in die Seite und sagte, ich solle hinaus kommen. Ich war noch ganz benommen und folgte der Aufforderung, ohne mir groß Gedanken zu machen. Aber was ich dann sah, versetzte mich doch in sehr großes Erstaunen. Da stand doch tatsächlich unser Bürgermeister mit seinen Abgeordneten neben dem Olfaktorischen Erdschaufler und seinen Kumpanen! Es stellte sich heraus, dass sie schon ziemlich lange geredet hatten und es inzwischen Abend geworden war. Sie hatten sich geeinigt, dass sie nun alle zusammen nach Oschatz gehen wollten, um sich weiter zu beraten. Und dass ich frei gelassen werden und mitgehen solle. Deshalb bin ich hier. Und die ganzen wichtigen Würdenträger haben sich wieder Mal im Rathaus verkrochen.“

Inzwischen waren sie auch auf dem Rathausplatz angekommen. Lara-Sophies Blick ruhte lange auf dem Rathaus. Dann wanderte er langsam umher. Als sie das letzte Mal hier stand, hatte es das furchtbare Erdbeben gegeben, das ihre gesamte Odyssee eingeleitet hatte. Und nun wirkte alles so ruhig, so verschlafen.

„Du wolltest mir doch das Wahrzeichen zeigen!“, rief Lara-Sophie auf ein Mal. „Ich habe es wegen dem Beben gar nicht mehr anschauen können!“

Das Schläfrige Hüpfmeerschweinchen riss den Kopf nach oben und schaute Lara-Sophie an, als hätte sie ein schweres Verbrechen begangen. „Nicht? Dann komm schnell mit!“

Das kleine Wesen lief aufgeregt los und Lara-Sophie hatte ihre Mühe, hinter ihm her zu kommen. Dann blieb es so abrupt stehen, dass sie ihn beinahe umgerannt hätte.

„Schau hinauf“, sagte das kleine Wesen feierlich. „Hier siehst du unser Wahrzeichen.“

Lara-Sophie kicherte leicht, weil ihr kleiner Freund auf einmal so andächtig und feierlich wirkte. Dann blickte sie nach oben. Erst noch amüsiert lächelnd. Doch mit einem Mal weiteten sich ihre Augen und langsam öffnete sich ihr Mund, ohne dass sie Worte finden konnte.

„Aber…“, stammelte sie, „das… das… das ist ja das Beusch!“

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4 Gedanken zu „Das Beusch – Teil 20

    • Gerne doch 🙂
      Ich bin auch ziemlich dankbar und froh dass du ebenfalls durchgehalten hast 😉
      Und ich kann kann schon so viel verraten, dass ich im Moment am letzten Kapitel schreibe.
      Es wird also bis dahin recht regelmäßig weiter gehen können!

  1. Hallo Andraika,
    Deine Geschichte klingt wirklich spannend und jetzt, wo ich einen Teil gelesen habe, bekomme ich natürlich Lust auf mehr…
    Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar auf meinem Blog.
    Viele liebe Grüße, Synnöve

    • Hallo Synnöve,
      das freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefällt!
      Den Kommetar hab ich gerne da gelassen, du hast aber auch wirklich ein paar wunderschöne Naturaufnahmen auf deiner Seite! 🙂
      Glg, Andraika

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