Macht ein Baum, der im Wald umfällt, auch dann ein Geräusch, wenn ihn niemand hört?

Nun wurde in wissenschaftlich anerkannten und renommierten Kreisen des Öfteren die Frage diskutiert, ob ein Baum, der im Wald umfällt, auch dann ein Geräusch macht, wenn ihn niemand hört.

Ebendiese Frage soll nun in einem kleinen Referat einmal von allen Seiten begutachtet werden.

Da ja niemand in der Nähe ist, während dieser Baum umfällt, können wir also gar nicht wissen, ob überhaupt Schallwellen erzeugt werden. Stellen wir nun ein Gerät auf, dass dies misst, so ist ja jemand da der dem Baum beim Umfallen zuhört, unsere Frage wäre als nicht geklärt, sondern es würde nur bestätigt werden, dass ein Baum, der im Wald umfällt, auch dann ein Geräusch macht, wenn ihm jemand zuhört.

Nein, ob er überhaupt Schall emittiert werden wir so schnell nicht erfahren.

Jedoch kann man hier zwei getrennte Fälle aufrollen und begutachten:

1) Der Baum emittiert keinen Schall

2) Der Baum emittiert Schall

Ich denke zu Punkt 1) kann ganz klar gesagt werden: Entspricht dieser Fall der Wahrheit, erzeugt der Baum kein Geräusch.

Sollte nun Fall 2) zutreffen, muss man sich näher anschauen, wie man denn die Begrifflichkeit „Geräusch“ definieren würde. Dazu einmal folgendes Modell: Ein Sender emittiert Schallwellen, dieser werden bis zum Empfänger übertragen, der sie wahrnimmt. Ein klassisches Geräusch. Was, wenn nun kein Empfänger da ist? Kann man dann von einem Geräusch reden? Oder müssen zur vollständigen Abdeckung der Definition alle Parteien vorhanden sein?

Man kann also sagen, dass in dem Falle, dass der Baum tatsächlich Schallwellen erzeugt, die Beantwortung der Frage immer noch davon abhängt, was genau man als „Geräusch“ definiert.

Doch hierzu ergeben sich nun tausend weitere Fragen, die auf eine Beantwortung harren:

Gesetzt den Fall, es wäre tatsächlich von einem Geräusch die Rede, wenn ein Baum umfällt, er Schallwellen emittiert, es aber keinen Empfänger ebendieser Schallwellen gibt. Müsste man dann auch von einem Geräusch sprechen, wenn man etwas vernimmt, es aber keinen Sender gibt?

Dazu könnte man den ersten Fall erweitern um den Gedankengang: Was, wenn der Baum tatsächlich keinen Schall erzeugt, ein potentieller Hörer aber trotzdem was hören würde, wäre er theoretisch anwesend, aber nur dann, wenn er tatsächlich nicht anwesend ist? (Denn dass ein Baum Schallwellen erzeugt, wenn eine Person tatsächlich anwesend ist, wissen wir, wie bereits besprochen.) Folglich könnte der Baum auch dann ein Geräusch erzeugen, wenn kein Schall emittiert wird und meine obige Behauptung wäre hinfällig.

Was nun, wenn man das Geräusch eines umfallenden Baumes hört, man ihn jedoch nicht hat fallen sehen? Ist er dann umgefallen?

Und wenn ein tauber Mensch einen Baum umfallen sieht, macht er dann ein Geräusch?

Wenn ein blinder Mensch einen Baum umfallen hört, ist der dann umgefallen?

Was nun, wenn man einer Person, die noch niemals einen Baum hat umfallen hören, das Geräusch eines umfallenden Baumes vorgespielt bekommt? Würde sie es erkennen? Würde solch eine Aufnahme denn auch tatsächlich der Realität entsprechen? Oder würde man dieser Person nun eine falsche Assoziation vermitteln, so dass sie, würde sie eines Tages tatsächlich einen Baum umfallen hören, dieses Geräusch nicht zuordnen könnte? Würde sie sogar, wenn man versuchen würde, zu erklären, dies wäre das tatsächliche Geräusch eines umfallenden Baumes, dies bezweifeln, sogar radikal verneinen?

Ich hoffe, im Namen der Wissenschaft, dass diese Fragen eines Tages zur Befriedigung aller Beteiligten beantwortet werden können!

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17 Gedanken zu „Macht ein Baum, der im Wald umfällt, auch dann ein Geräusch, wenn ihn niemand hört?

  1. Interessante Gedanken ich muss sagen dein Schreibstil ist gut in Gedanken hab ich mir immer wieder einen umfallenden Baum bzw. das Geräusch eines umfallenden Baumes vorgestellt und muss komme zu der Meinung, das ein Baum beim umfallen sehr wohl ein Geräusch macht.
    Aber wer weiß vielleicht liege ich damit ja falsch. 😉

  2. Auf diese Frage gibt es keine Antwort. In gewisser Weise kann man sie als rhetorische Frage vestehen, weil sie nicht der Informationsbeschaffung dient, sondern der Meinung des Fragestellers.
    Die Frage ist insofern philosophisch, als das sie einen für den ersten Moment tatsächlich darüber nachdenken lässt, obgleich in der Regel sowohl Zustimmung oder Ablehnung als Mögliche Antworten in Frage kommen bzw. genannt werden.
    Die Frage kann jedoch auch abstrakter betrachtet werden, ähnlich wie die Frage: Was war zuerst da, dass Huhn oder das Ei? Keine Antwort!
    Oder ganz klassisch,Streitpunkt seit jeher:
    Gibt es einen Gott? Keine Antwort!

    • Die Frage nach Gott hängt aber ganz eng mit der Frage nach Huhn und Ei zusammen. Warum? Weil die Bibel in 1. Mose 1,24 bezeugt, dass Gott die Tiere erschaffen hat. Insofern: Nicht die Eier. Die Frage „Was war zuerst da: Huhn oder Ei?“ ist demnach ohne Probleme zu beantworten – sofern die Existenz Gottes vorausgesetzt wird.

      • Das Huhn war zu erst da, wenn der Gott gemäß Bibel existiert. Gut möglich ist, dass es einen Gott gibt, der sehr verwundert ist, was in einem Buch namens Bibel so über ihn drinsteht.

  3. Nun wäre als nächstes die Frage zu klären: Woher erkennt der umfallende Baum ob ein Empfänger existiert der ihn zur Ausschüttung von Schallwellen beim Umfallen zwingt?
    Was ist wenn der Empfänger nicht für den Baum sichtbar ist?
    Werden dann schallwellen ausgesendet?

    • Die Frage ist, ob es überhaupt am Baum selbst liegen würde. Schließlich sind noch etliche andere Faktoren vorhanden, wie die Luft, andere Pflanzen, der Untergrund, etwaige Lebewesen die nebenbei umherkreuchen etc. pp…

  4. Wenn wir davon ausgehen,dass der Baum,dass er sobald er fällt auf den Boden sich wie Quanten verhält,dann kann man sagen,dass des Baums Atome sich wellenförmig ausbreiten und das heißt es gibt höchst wahrscheinlich eine Überlapung das würde heißen das beides der Fall ist also das der Baum ein Geräusch macht und zugleich KEIN Geräusch macht,aber sobald jemand da ist der das hören kann er wird nur eins bemerken können,weil sich Quanten so verhalten :3 also kann man sagen,dass sobald es ein Beobachter gibt(auch ein Gerät) dass sich die Quanten anders verhalten als wenn niemand da ist..was sagt das jetzt darüber aus?Wir können es im Nach hinein nicht verstehen oder herausfinden ob es ein Geräusch von Baum gibt :-)) P.S.Waren zu viele Quanten 😀

  5. Pingback: Wenn im Wald ein Baum umfällt … |

  6. Du möchtest eine Frage behandeln und fügst ihr zehn weitere hinzu – hmmm.

    Die beste Antwort die hierzu bei gutefrage gepostet ist, ist gut. Greift aus meiner Sicht aber auch zu kurz. Nach buddhistischer und althinduistischer Sicht hat nichts aber wirklich garnichts seine inhärente Eigenexistenz (Sanksrit: atman) sondern findet seine Existenz nur in Relation zu seinem Umfeld. Ebendiese Abwesenheit – Leerheit, sanskrit: shunyata – führt nach buddhistischer Lehre wenn man sie erkennt zur Erleuchtung.

    Diese philosophische Frage von Dir ist also sehr sehr als und hat aus Sicht einiger, die viel Zeit damit verbracht haben, das zu durchdenken, in übertragener Weise viel Bedeutung.

    Im Übrigen: der Film „the Matrix“ Teil 1 ist sehr in diese Richtung orientiert. Liebe Grüße und „There is no Spoon“ 😉

    • Vielen Dank für deinen Kommentar,

      diese Antwort auf gutefrage werde ich mir mal anschauen.
      Im Nachhinein bin ich sowieso der Meinung dass mein Artikel sehr deutlich zeigt, dass ich mich zum Zeitpunkt der Niederschrift nicht lange mit dem Thema auseinander gesetzt hatte und deshalb mehr Fragen als Antworten aufwerfe. Vielleicht werde ich mal ein „Reboot“ verfassen 😉

      Matrix 1 – lange her dass ich den gesehen hab. Aber ist kein schlechter Film, den muss ich bei Gelegenheit noch mal sehen.

      Liebe Grüße,
      Andraika

  7. Auf diese Fragestellung gibt es zwei Antworten. Sie repräsentieren zwei traditionelle Strömungen in der Philosophie. Auf der einen Seite steht der Realismus der behauptet die Welt und der ihr innewohnenden Gegenstände sind unabhängig von unserem Denken, sprich Begriff und Realität sind gänzlich unterschiedlich. Der Baum als Teil der Welt existiert und macht Geräusche unabhängig davon ob wir es hören oder nicht (vgl. Thomas Nagel). Dem gegenüber steht der Idealismus, der besagt, dass alles in der Welt Teil unseres Bewusstseins ist bzw. es entweder jetzt oder in Zukunft möglich ist die Dinge der Welt begrifflich zu fassen. Für den Baum heißt das er existiert nur innerhalb des Wahrnehmungsprozesses, genauso wie das von ihm verursachte Geräusch beim umfallen (Berkeley).

    Zusammenfassend gibt es also zwei Antworten auf diese Frage die beide in der Debatte plausible Argumente für ihre Positionen hervorbringen, man kann sich also entscheiden.

    Gruß, ein Philostudent.

      • Also, meine Meinung!
        Ein Baumstamm fällt auf den Boden und erzeugt dadurch Luftdruckschwankungen bestimmter Frequenzen. Das sind defininitiv keine Geräusche.
        Diese Luftdruckschwankungen treffen auf den Sensor menschliches Ohr, werden von dort durch einen komplexen Vorgang als elektrische Impulse dem Gehirn zugeführt und erst dort entsteht DIE SUBJEKTIVE EMPFINDUNG (!) eines Geräusches.
        Also nicht der umfallende Baum macht ein Geräusch, sondern unser Gehirn gaukelt es uns nur vor. Der Evolutiom sei Dank!
        Sinngemäß trifft das auch auf Licht und Temperatur zu. die lediglich als elektromagnetische Strahlung auf die Sensoren Auge bezw,die Haut treffen und erst durch Weiterleitung ins Gehirn Empfindundn von Licht und Wärme entstehen lassen.
        Horst Zimmermann

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